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RW Ahlen Spielberichte 08/09

Glück im Unglück

Franz Prinz

Ahlen. Die gute Nachricht vorweg: Nils Döring hat sich nicht – wie erst vermutet – einen Wadenbeinbruch zugezogen. Zwar verließ der Innenverteidiger von Rot-Weiß Ahlen das Krankenhaus am Sonntagabend mit Gehhilfen, doch Manager Stefan Grädler gab Entwarnung.

„Kein Bruch, sondern eine schwere Wadenprellung.“ Ausgeschlossen ist daher sein Einsatz am kommenden Sonntag im letzten Spiel der ersten Serie in Fürth nicht. Das wäre auch tragisch, da schon Marcel Busch nach seiner fünften Gelben Karte ausfallen wird. Diese hat er sich am Sonntag in einem emotionsgeladenen, kampfbetonten und von vielen Nickeligkeiten begleiteten Nachbarschaftsduell gegen den VfL Osnabrück abgeholt. Ein Spiel, das der sehr kleinlich pfeifende Unparteiische Robert Hartmann aus Ingolstadt nach 90 Minuten zum Entsetzen der rund 5 000 Ahlener Fans, aber zur Freude ihrer mitgereisten 2 500 Osnabrücker Anhänger beim Stande von 2:1 für den VfL abpfiff.

Dabei waren zur Pause noch alle Weichen auf Sieg für die Platzherren gestellt, hatte doch Lars Toborg nach herausragender Vorarbeit von Nils-Ole Book und Marco Reus mit seinem elften Saisontor die Ahlener frühzeitig (18.) mit 1:0 in Führung gebracht. Doch wieder einmal zeigte die Ahlener Mannschaft, wo ihre Achillesferse liegt. Bei Standards sind sie verwundbarer als manch andere Zweitligamannschaft, haben nach Frei- oder Eckstößen schon zwölf Treffer kassiert. Gestern folgte Tor Nummer 13. Freistoßspezialist Pierre de Witt schlug den Ball scharf in den Ahlener Strafraum, Lars Toborg verlor Nico Frommer aus den Augen und prompt verlängerte der laufstarke Mittelfeldspieler den Ball zum Ausgleich am verdutzten Manuel Lenz vorbei ins Netz. Zu diesem Zeitpunkt verdient, weil die Osnabrücker nach relativ ausgeglichener erster Hälfte immer mehr die Initiative übernommen hatten. „Genau das wollte ich erreichen, denn im Gegensatz zu den bisherigen Spielen, wo ich meine Elf in der Pause oft gelobt habe, habe ich sie diesmal richtig wachgerüttelt“, freute sich „Pele“ Wollitz über die Leistung seiner Spieler nach dem Seitenwechsel.

Der Ausgleich tat seiner Elf auch gut, sie wollte in der Zeit danach den Sieg mehr als die Ahlener, die ihr spielerisches Potenzial nicht wie gewohnt abrufen konnten, gleichwohl trotzdem den Platz als Sieger hätten verlassen können, wenn im Osnabrücker Tor nicht Stefan Wessels gestanden hätte. „Genau dafür haben wir ihn ja geholt“, lobte auch Wollitz seinen Torhüter, der gegen Marco Reus (52.), Kevin Großkreutz (81.) und den eingewechselten René Müller (83.) gleich dreimal großartig abwehrte.

Insgesamt standen die Ahlener zu oft zu tief, rückten nicht schnell genug auf und kamen so nicht zu ihrem Überzahlspiel im Mittelfeld. Sie hatten einfach zu viel Probleme mit einer taktische Variante von VfL-Trainer Wollitz, der zwischen 4-3-3 und 4-4-2 wechselte.

Besonders Nico Frommer zeichnete sich hier aus, konnte aus der Tiefe oft Akzente nach vorne setzen. Auf Ahlener Seite versuchte dies einzig Nils-Ole Book, der vielleicht etwas zu früh aus dem Spiel genommen wurde. Erst in der Schlussphase bäumte sich RW noch einmal auf, doch nach der bereits erwähnten Möglichkeit für René Müller erspielten sie sich keine weiteren hochkarätigen Chancen mehr und mussten sich am Ende etwas unglücklich, aber nicht unverdient geschlagen geben, weil der VfL einfach insgesamt die agilere Mannschaft stellte.

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