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Bunter Kreis

Glück und Stress im Doppelpack

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Münster -Das Kinderzimmer hat sich gefüllt. Zwei Stubenwagen. Eine Wickelkommode. Zwei Wippen. Ein Kinderbettchen. Doch ehe überhaupt ein Möbelstück in dem Zimmer stand, war ein anderer schon da: Der Schutzengel, der sein behütendes Auge auf die beiden winzigen Stubenbewohner halten soll. Erst schwebte er im Fenster, jetzt hängt er direkt am Bettchen. Nils und Luis brauchen ihn ganz besonders. Denn das Zwillingspärchen kam zehn Wochen zu früh auf die Welt.

Brutkasten, Atemhilfe, Kinderintensivstation Antje und Udo Pallasdies haben mit ihren beiden Sprösslingen seit dem 18. August schon viele Momente der Angst, Sorge und Not erlebt. Besonders Nils, der Zweitgeborene, muss kämpfen: Nach einer Darmentzündung bekam er einen künstlichen Darmausgang. Bei Luis sind es die Augen, die besonders kontrolliert werden müssen. Und so ist Antje Pallasdies unendlich glücklich, dass es den Bunten Kreis am Franziskus-Hospital gibt.

Denn nachdem die beiden süßen Jungs Ende Oktober endlich nach Hause durften, steht Cordula Lennerz für alle Fragen und Probleme zur Verfügung. Am Anfang hatte ich das Gefühl, ich muss sie jeden Tag anrufen, erzählt die Mutter. Und Cordula Lennerz erinert sich noch gut, wie Antje Pallasdies sie hoffnungsvoll fragte: Kommen Sie jetzt jeden Tag? Nein, ganz so oft schafft die Kinderkrankenschwester, die dazu auch Mitarbeiterin beim Bunten Kreis ist, es natürlich nicht. Aber besonders in den ersten Wochen war ihr Rat und ihre Hilfe sehr wichtig: Es ist schon nicht einfach, Zwillinge überhaupt zu versorgen. Der künstliche Ausgang fordert den Eltern noch einmal zusätzlich viel ab, betont Cordula Lennerz. Da muss der Beutel gewechselt werden, da passiert es, dass diese Teile auch reißen. Genau in dem Moment schreit dann auch Luis, ausgerechnet dann ist mein Mann nicht da. Dann hilft nur tief durchatmen und Ruhe bewahren, erzählt Antje Pallasdies. Und schreien können beide inzwischen ganz gut: Wenn einer anfängt, dann stimmt der andere bald mit ein...

Jetzt setzt die Familie alle Hoffnung darauf, dass der künstliche Darmausgang bei Nils zurückverlegt werden kann. Der Beutel stört ihn, er wächst, bewegt sich mehr. Und manchmal glaube ich auch, dass es ihm weh tut, beobachtet Mutter Antje und streichelt ihrem Jüngsten behutsam über das Köpfchen. Luis ist inzwischen eingeschlummert, Nils wird daneben gebettet. Quer im Kinderbett träumen beide friedlich nebeneinander. Und Cordula Lennerz weiß, dass sie die Familie sicherlich noch einige Zeit begleiten wird. Aber eins weiß sie auch: Es ist wunderbar zu sehen, wie sehr die Eltern in dieser stressigen und sorgenvollen Situation auf die Kinder eingehen und ihnen bei ihrem schweren Start ins Leben Geborgenheit geben.

Was Cordula Lennerz nicht sagt: Sie und der Bunte Kreis haben dazu viel beigetragen.

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