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Grenzgänger machen Geschichte

unserem Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel

Hamburg/Berlin - Was haben Angela Merkel und Michael Ballack gemeinsam? Sie kommen aus dem Osten der Republik und haben es nach ganz oben gebracht. Zwei von vielen Ostdeutschen, die seit der Einheit eine Bilderbuchkarriere hingelegt haben. Und umgekehrt gibt es viele Grenzgänger aus dem Westen, die durch eine Karriere in Ostdeutschland ihrer Biografie ein ganz besonderes Profil gegeben haben.

Auch Politiker: Es sind dabei nicht Allerweltstypen, die sich als „Wessis“ im Osten einen Namen machten. Es waren oft eigene Köpfe, die in den Parteien nicht ins Schema passen, Fachleute, deren Wort ohne die Wende vielleicht gar nicht so viel Wirkungsgrad hätte erzielen können.

Beispiel Kurt Biedenkopf: Er war der unbequeme CDU-Politiker, der sich in Sachsen aber zur Vaterfigur mauserte. Georg Milbradt war lange Zeit Biedenkopfs rechte Hand in Sachen Zahlen und Fakten. Der Professor aus Münster profilierte sich als vorausschauender Kassenwart. Doch als Politiker in der ersten Reihe scheiterte er später.

Eine zweite Karriere als Ministerpräsident bescherte der Mauerfall dem ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel. 1992 gelang es ihm als bislang einzigem deutschen Politiker, Ministerpräsident eines zweiten Landes zu werden. Er ging nach Thüringen. Insgesamt 23 Jahre Ministerpräsident - ein Superlativ.

Dann ist da die Familie de Maizière. Auf der einen Seite der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, Urgestein aus dem Osten. Auf der anderen Seite sein Cousin Thomas de Maizière, heute Bundesinnenminister. Letzterer studierte in Bonn und Münster, machte nach der Wende politische Karriere als Minister im Osten. Seine Zeit in Dresden war für ihn weit mehr als eine oberflächliche Karrierezwischenstation.

Heute noch wohnt er mit seiner Familie dort - weil es so schön ist. Merkel schaffte es als Ostdeutsche bis ins Kanzleramt: Eine märchenhafte Karriere. Sie hat sich nie als typisch ostdeutsche Politikerin profiliert. Zum 3. Oktober äußerte sie sich aber voller Emotionen: „Ich glaube, damals kam es einem Wunder gleich, und ein bisschen von diesem Wunder sollten wir uns auch in unseren Herzen und Köpfen bewahren.“

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