1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Großalarm nach Ammoniak-Unfall in Großfleischerei

  6. >

Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Großalarm nach Ammoniak-Unfall in Großfleischerei

Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh - Flüssig-Ammoniak in größeren Mengen ist am Freitagabend in der Großfleischerei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück durch ein Leck in einem Kühlraum ausgetreten. Wie die Polizei in Gütersloh am Samstagmorgen mitteilte, sind vier Firmenmitarbeiter schwer verletzt worden; sechs weitere mussten ambulant medizinisch versorgt worden. Eine Gefahr für die...

wn

Rheda-Wiedenbrück - Bei einem Chemieunfall in der Fleischfabrik Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück sind 16 Mitarbeiter durch ausgetretenes Ammoniak verletzt worden. Für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden, berichtete am Samstag die Feuerwehr, die Großalarm ausgelöst hatte. Ammoniak- Gase seien nicht ins Freie gelangt. Durch ein Ventil der Kühlanlage war am Freitagabend flüssiges Ammoniak ausgetreten. Die Ursache des Unfalls sei ein nicht geschlossener Schieber vor dem Sicherheitsventil eines Ammoniak- Rohres gewesen, sagte der Geschäftsführer der Großfleischerei, Josef Tillmann, der Nachrichtenagentur dpa. Nach einem hitzebedingten Stromausfall sei der Druck in dem Rohr auf das Vier- bis Fünffache des normalen Wertes angestiegen und das flüssige Ammoniak habe durch das Ventil entweichen können. Der Schieber solle dies normalerweise verhindern, sei jedoch nach den letzten Wartungsarbeiten an der Maschine nicht wieder geschlossen worden. Nach Austritt des Ammoniaks konnten Techniker das Hauptventil der Kühlanlage schnell schließen. Die Maschine sei außerdem automatisch heruntergefahren worden, sagte Tillmann. Dennoch trat eine größere Menge Ammoniak aus. Ärzte und Sanitäter untersuchten 372 Mitarbeiter der Fleischfabrik. Mit Verdacht auf Atemwegserkrankungen kamen 16 Beschäftigte ins Krankenhaus. Neun von ihnen waren nach Firmenangaben am Samstag noch zur Beobachtung in Kliniken. Die Feuerwehr setzte Wasserdampf und spezielle Bindemittel ein, um sowohl das flüssige als auch das gasförmige Ammoniak aufzufangen. Das stark riechende Gas ist giftig und kann Reizungen und Verätzungen der Atemwege verursachen. Es wird in Fabriken als Kühlmittel eingesetzt. Bei dem Großalarm waren mehr 350 Feuerwehrleute, Polizisten, Ärzte und andere Rettungskräfte im Einsatz. Per Hubschrauber wurden über dem Firmengelände und in der näheren Umgebung Proben der Atemluft genommen. Der östliche Teil des Fabrikgeländes wurde komplett evakuiert. Der Betrieb in der Fleischfabrik, die dem Aufsichtsratschef der Fußball-Bundesligisten Schalke 04, Clemens Tönnies, gehört, wurde zeitweise eingestellt. Zur Schadenshöhe gab es noch keine Angaben.

Startseite