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Grundschulen gehen die Leiter aus

Elmar Ries

Münster - Lehrermangel allerorten, das ist nicht neu in NRW. Wolfgang Weber, Abteilungsleiter für den Bereich Schule bei der münsterischen Bezirksregierung, kann seit Jahren schon ein Lied davon singen. Seit geraumer Zeit aber hat sich das Problem ein bisschen verlagert und damit verschärft. Derart, dass es nun nicht mehr nur die Indianer trifft, sondern immer häufiger auch die Häuptlinge: „In einigen Regionen sind nicht mehr nur die Lehrer ein rar gewordenes Gut, sondern auch die Schulleiter.“

Um den anscheinend missliebig gewordenen Leiter-Posten in der Lehrerschaft attraktiver zu machen, Vorzüge aufzuzeigen, die Chancen deutlich zu machen und natürlich auch die persönliche Eignung zu überprüfen, hat die Behörde in Münster als erste der fünf Bezirksregierungen im Lande ein Orientierungs- und Qualifizierungsverfahren an den Start gebracht. Die erste Runde lief im August an. Die zweite ist in diesen Tagen beendet worden. „Wir wollen damit Interesse wecken und zudem diejenigen, die Schulleiter werden wollen, ernsthaft auf diese Tätigkeit vorbereiten“, sagt Weber.

Es sind vor allem die Grundschulen, denen immer öfter die Leitung ausgeht. Von den immerhin 476 Grundschulen im Regierungsbezirk müssen 43 derzeit ohne Führung auskommen. Im günstigsten Fall findet dort gerade ein Besetzungsverfahren statt, meint: In absehbarer Zeit wird´s dort wieder eine Schulleitung geben. Im ungünstigen Fall aber - und davon gibt es sehr wohl einige - wurde die Stelle bereits mehrfach erfolglos ausgeschrieben.

Woran es liegt, dass offenkundig zu wenige Pädagogen bereit sind, anstatt zu unterrichten lieber eine Schule zu leiten? Wolfgang Weber muss schmunzeln: Weil genau hier der Hase begraben liegt, weil vor allem im Grundschulbereich die Schulleitung nach wie vor viel zu viel unterrichten muss und viel zu wenig leiten kann. „Folglich verlagert sich die Management-Arbeit immer mehr in den Abend.“ Hinzu kommt: Schulleiter zu sein ist aus finanzieller Sicht ziemlich unattraktiv. Zumindest an der Grundschule: 300 Euro brutto mehr pro Monat für viele Zusatzstunden am Schreibtisch; man muss schon ein reinblütiger Idealist sein, um sich nach so einer Funktionsstelle zu sehnen.

Dabei wird die Leitung auch an Schulen immer wichtiger. Weil auch Schulen nicht nur durch immer weitergehende Angebote und größere Eigenverantwortung zu immer komplexeren Gebilden werden.

Noch immer gilt: Derjenige, der eine Schule leitet, ist von seiner Ausbildung und seinem Selbstverständnis Pädagoge. „Wir müssen aber dahin kommen, dass der Schulleiter nicht der erste Lehrer ist, sondern sich vielmehr als Manager versteht“, sagt Weber. Als jemand, der eine Schule führe wie ein Unternehmen. 2012, so lautet die Zielmarke, 2012 will die Bezirksregierung die Schulleiter in ihrem Beritt soweit fit gemacht haben, dass sie über Dienstherreneigenschaften verfügen, was unter anderem meint: In der Personalführung fit zu sein.

Und eben das soll unter anderem durch die Qualifizierung erreicht werden. Die, die bei der Behörde dafür zuständig ist, heißt Karin Rösen und ist voll des Lobes für das Projekt und jene, die an den ersten beiden Runden teilgenommen haben. 100 Stunden Theorie, Rollenspiele, simulierte Konfrontationen mit den Unbilden des Alltags und Management-Übungen: Das Portfolio ist gut gefüllt. „Diejenigen, die mitgemacht haben, gehen zumindest mit einer klaren Vorstellung wieder heraus“, sagt Rösen. Und sei es auch mit der Gewissheit, dass der Leiter-Job doch keine Perspektive für sie ist. Qualifizierung heißt: Ausbilden im Bestand. Das ist das eine. Dem vorgeschaltet hat die Behörde eine Orientierung für Junglehrer. Solche, die geeignet erscheinen, dereinst womöglich eine Schule zu leiten. „Wir müssen halt frühzeitig Ausschau halten“, sagt Rösen, und Wolfgang Weber ergänzt: „Denn der Schulleitermangel wird uns erhalten bleiben.“

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