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Umweltorganisationen haben noch immer Nachwuchsmangel

Grüner Lifestyle ohne viel Engagement

Marie Rövekamp

Münster - Am besten fährt der Musterbürger morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit, isst in der Mittagspause einen Salat, natürlich bio und regional, und fährt abends zurück in sein Niedrigenergiehaus. Ökologisches Bewusstsein zu zeigen, ist momentan „in“. Denen, die für das geschärfte Bewusstsein kämpfen, also den Umweltverbänden, nützt dieser Trend aber nur bedingt. Die Organisationen verzeichnen zwar steigende Mitgliederzahlen. Die Neulinge sind jedoch eher selten bereit, sich auch aktiv für die Arbeit der Tier- und Naturschützer zu engagieren. „Sie zahlen ihre Beiträge, spenden und schätzen unsere Arbeit – ihre Freizeit wollen sie nicht opfern“, sagt Karin Rietmann vom Naturschutzbund (Nabu) Münster angesichts einer diesjährigen Mitgliederzahl von 60.000 Personen in Nordrhein-Westfalen. Ein Problem, mit dem mittlerweile viele Vereine, Verbände und Organisationen auch außerhalb des Umweltbereichs zu kämpfen haben. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und ohne eine Gegenleistung zu arbeiten, sinkt offenbar. Aber Nabu, Greenpeace und Co. haben noch ein zweites Handicap: Ihre Themen sind sehr global. Marcel Hunecke, Umweltpsychologe der Fachhochschule Dortmund, sagt: „Erst wenn die persönliche Betroffenheit groß ist, sind die Menschen auch bereit, mehr Zeit zu investieren. Wenn es zum Beispiel um die Autobahn vor der eigenen Haustür geht, gibt es richtig Widerstand.“ Bemerkbar machen sich zudem die Wandlungen in der Hochschullandschaft: Studierende können sich kaum engagieren, da ihnen in Zeiten von Bachelor und Master einfach die Zeit fehlt. Eine münsterische Jura-Studentin sagt: „Ich denke, dass das Problem darin liegt, sich nach der Uni noch einmal aufzuraffen. Allerdings kenne ich viele, die etwas im Kleinen tun.“ Was das sein kann, zeigt Facebook: Das soziale Internet-Netzwerk reitet auf der grünen Welle in Deutschland ebenfalls mit und bietet seinen Nutzern einen gelben Button mit dem Slogan „Atomkraft? Nein danke“ für ihr Profilbild an. Die Anwendung „gefällt“ bereits über 100.000 Personen.

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