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Grüner Rasen und rote Erdbeeren

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Wimbledon ist ein Stadtteil von London. Kein besonders großer, kein besonders schöner, aber trotzdem ein ganz besonderer. Denn in Wimbledon findet jedes Jahr im Juni das bedeutendste Tennisturnier der Welt statt. Im Jahr 1877 lud ausgerechnet der Croquet-Club von Wimbledon erstmals die Tennisspieler der Umgebung zu einem kleinen Turnier ein, weil sich für das Croquet-Spiel kaum noch jemand interessierte. Statt also mit dem Holzstock einen Ball durch kleine Törchen zu schießen, wurde fortan der Tennisball über das Netz geschlagen.

Inzwischen gibt es im Wimbledon-Park 20 Rasenplätze, und das Turnier ist nicht nur das älteste Tennisereignis der Welt, sondern auch das eigentliche Aushängeschild für den „weißen Sport“. So wird Tennis genannt, weil früher alle Spieler in weißen Hosen und Hemden und die Damen in weißen Röcken auflaufen mussten. In Wimbledon ist das immer noch so: Auf allen anderen Plätzen der Welt präsentieren die Tennisprofis die neueste Sportmode in allen Farben, doch extra für das Turnier in Wimbledon haben sie noch die guten, alten weißen Sportsachen im Schrank hängen. Auf dem Platz ist Farbe verboten, die hat in Wimbledon nur der Rasen: Der ist am Anfang grün, später dann vom vielen Laufen ganz braun – und das obwohl er regelmäßig gegossen wird.

Denn auch das Wetter in England hat sich seit 1877 nicht geändert: Durchschnittlich gibt es hier im Juni acht Regentage – und das Tennis-Turnier kriegt eigentlich immer ein paar davon ab. Das ist gut für den Rasen, der bleibt dann ein bisschen länger grün, aber schlecht für die Spieler. Denn das Turnier von Wimbledon ist nicht nur das einzige der vier Grand-Slam-Turniere, das auf Rasen ausgetragen wird, sondern auch das einzige, bei dem kein Platz überdacht ist. Also müssen die Spieler immer Pause machen, wenn es regnet. Dann können sich alle irgendwo unterstellen und Erdbeeren mit Sahne essen, das ist nämlich die Spezialität in Wimbledon.Ansgar Griebel

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