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Karneval im Kreis Warendorf

Guido-Rufe für den Präsidenten

Isabel Niesmann

Everswinkel - Karneval ist fröhlich, verrückt und laut. Dass sich zwischen die Helau-Rufe, Büttenreden und Showeinlagen auch mal etwas ernstere Worte und Wehmut mischen und dass Karnevalspräsidenten mit den Tränen kämpfen, kommt nicht allzu oft vor. Eine Ausnahme bildete jedoch die Karnevalsshow des MGV/BSHV. Als das treue Narrenvolk am Samstagabend seinen scheidenden Präsidenten Guido Loick mit begeisterten „Guido“-Rufen in der Festhalle huldigte, war dieser sichtlich sprachlos. „Was in mir vorgeht, dass könnt Ihr euch gar nicht vorstellen. Das ist wie Welt- und Europameister gemeinsam.“ „Vor 22 Jahren bist Du als Adjutant angefangen und seit 2001 bekleidest Du das höchste Amt im Everswinkler Karneval. Immer hast Du uns souverän geführt, motiviert und auch gefordert“, dankte ihm Vize-Präsident Thorsten Schulze Tertilt.

Mehr als vier Stunden zuvor: Ein Blick auf die Uhr genügt. Es ist 19.33 Uhr, und es ist Karneval. In der rappelvollen Festhalle wird mit dem Einmarsch des Blasorchesters und der Präsidentengarde das gewohnt spritzige und abwechslungsreiche Feuerwerk der guten Laune entfacht. Ein bunt gemischtes Programm wird das ausgelassene Publikum bis Mitternacht bestens unterhalten.

Nach dem stimmungsvollen Auftakt wirbelten die Kleinen, genauer gesagt die Tanzsternchen, zu Hits wie „Dance with somebody“ lebhaft über die Bühne und verbreiteten bei den Jecken augenblicklich eine Super-Stimmung. Mit der Freundlichkeit war es danach erst einmal vorbei: Burkhard Serries alias „Der Banker“ nahm in seinem sarkastischen Jahresrückblick das gesellschaftliche und politische Leben im Vitusdorf ordentlich aufs Korn, so auch die Fusion der beiden Kirchengemeinden.

Mit spektakulären Hebefiguren und fetziger Musik begeisterten dann die Warendorfer „Dancing Foxkillers“, die zum zweiten Mal zu Gast waren. Tänzerisch konnte „Tante Broemmelstrote“ alias Martina Gorden bei ihrem Premierenauftritt mit ihrer kleinen Cheerleading-Einlage zwar nicht so ganz mithalten, dafür hatte die unnachahmliche Ahlenerin aber noch ganz andere Sachen auf Lager. „Wenn ich ein Schnitzel esse, könnte ich es mir auch gleich hinten dran tackern; Schnitzel ist wie Neuschnee auf den Hüften“. Deshalb habe sie sich auch bei einem Kurs für Beckenbodengymnastik angemeldet und gab auch eine sehenswerte, sehr amüsante Kostprobe. „Seitdem habe ich aber ein zusätzliches Handicap. Ich bin zu attraktiv.“ Gekonnt witzig schlug sie den Bogen zur Wilderei. „Und, ist schon jemand wild auf mich?“, wollte sie dann vom Publikum wissen, das schon einen Kandidaten auserkoren hatte: Bernd Henrichs war der Glückliche. Da passte die „Coverversion“ des Marianne Rosenberg-Hits „Er gehört zu mir“, umgewandelt in „Er gehört bald mir und ich weiß, er trinkt gern Bier“, natürlich super.

Spritzig ging es anschließend beim Gardetanz der Blau-Weißen Funken zu, die wie in jedem Jahr bei einer tollen Choreografie kräftig ihre Beine fliegen ließen. Tänzerischer Ausdruck war auch beim zweiten Auftritt im Piratenoutfit zu bewundern.

„Wen interessiert schon eine Müllermilch mehr oder weniger im Regal?“, wollte eine Delegation des MGV von den Narren im Saal wissen. Die als Ärzte verkleideten Sangesbrüder begrüßten alle zur allgemeinen kollektiven Sprechstunde verkündeten singend nicht ein Lebensmittler-, sondern ein Ärzteproblem. „Wir brauchen ein Ärztezentrum“, waren die Götter in Weiß sich einig und hatten zudem eine Therapie für den scheidenden Präsidenten ausgearbeitet: Ein Beitritt in den „MGV BSOS: Männergesangverein Everswinkel, Betreutes Singen ohne Saufen“.

Dass auch das männliche Geschlecht sich im Bereich Tanz durchaus sehen lassen kann, bewies an diesem Abend unter anderem die Gruppe aus „XXL-Fen“ aus Wolbeck im Pilotenkostüm, die zuvor auch mit Hippenmajor Andreas Schwegmann gesanglich glänzte.

Schließlich eroberte das weibliche Geschlecht noch einmal die Bühne und die Blau-Gelben Funken aus Wolbeck boten eine überzeugende Showeinlage.

Highlights gab es Schlag auf Schlag und dazu zählte ohne Frage die Präsidentengarde mit Tanzmajor Lars Thiemann und Tanzmariechen Kathrin Pieper, die ebenfalls die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen durften. Über einen Ehrenteller freute sich der langjährige Vorsitzende des BSHV, Reinhard Schulze-Tertilt.

„Es ist soweit. Ende“, verabschiedete Loick sich schließlich vom Elferrat und allen Narren mit einem Lied nach Frank Sinatras „I did it my way“ und schaute mit Wehmut auf eine ausgelassene Schar im Saal hinunter. „Es waren zehn Sessionen, sehr anstrengend, berauschend und faszinierend, eine schöne Zeit“, so sein Fazit. Besonders freute er sich über die vielen Abschiedsgeschenke, unter anderem die Möglichkeit, auf dem Münsteraner Rosenmontagszug mitzufahren. Mit Manfred Schlarmann, dem ebenfalls scheidenden Kolpingkarnevalspräsidenten gab er noch ein Lied zum Besten, bevor es zum großen Finale mit allen Akteuren auf der Bühne kam.

Mit der Band „Two Nights“ erreichte die Feierlaune um Mitternacht ihren Höhepunkt und sorgte für eine volle Tanzfläche bis in den frühen Morgen.

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