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Abrechnung zum Abschied

Guido Westerwelles schwerster Parteitag

unserem Redaktionsmitglied Frank Polke

Duisburg - Guido Westerwelle sitzt oben auf dem Podium, die Hände verschränkt, ein wenig zurückgelehnt. Der Noch-Bundesvorsitzende beobachtet das Treiben in der Mercator-Halle, hört den Reden und Anträgen zu - aber er wirkt ein wenig entrückt.

Natürlich hat Westerwelle im Auto nach Duisburg von dem neuen Interview des ewig präsenten Gerhart Baum gehört. Er soll zurücktreten, jetzt auch als Außenminister. Keine Einzelmeinung, wie er auf dem Parteitag der NRW-FDP hören muss. „Die gesamte Parteiführung hat versagt“, sagt Annette Littmann aus Dortmund.

Daniel Bahr spürt diese Stimmung und versucht, in seiner eigenen Art die Lage zu entschärfen. „Wir brauchen eine personelle, strategische und organisatorische Erneuerung“, eröffnet der Vorsitzende des Landesverbandes seine Rede. Spannung bei den Delegierten. Kommt jetzt der Angriff oder die Abrechnung mit dem Ziehvater? Nein, Bahr bleibt sich treu und erinnert an die schwere Zeit Ende der 90er Jahre. „Wir waren damals in vielen Parlamenten nicht vertreten, auch in Düsseldorf nicht.“ Die Brücke ist gebaut. „Es war das Verdienst von Guido Westerwelle, diese Krise überwunden zu haben und die FDP in die Bundesregierung geführt zu haben.“

Freundlicher Beifall in der Mercator-Halle. Westerwelle lächelt befreit auf, steht kurz auf, macht eine kleine Handbewegung hin zu den Delegierten. Kein Triumph mehr des einstigen Vorzeige-Stars, kein Siegeszeichen wie in früheren Zeiten. Das ist endgültig vorbei.

Dass diese Bescheidenheit angebracht ist, zeigt sich am Nachmittag. Redner sprechen vereinzelt vom Versagen „derer in Berlin“. Markus Schiek aus Ostwestfalen fordert offen den Rücktritt. „Unser Kernproblem ist die Glaubwürdigkeit. Und das liegt auch an seiner Person.“

Das ist denn doch vielen zu viel. Der ehemalige Landeschef Andreas Pinkwart lässt sich das Wort erteilen, mahnt zu einem fairen personellen Umgang untereinander. „Diese Worte verletzen auch mich.“ Dies wirkt. Die Lage in der Halle beruhigt sich.

Das letzte Wort hat Westerwelle. Er bedankt sich freundlich, müht sich um einen versöhnlichen Ton, spricht von 17 Jahren, die er der Partei dienen durfte. Und diese 17 Jahre haben ihn eines gelehrt: Die Entscheidung fällt in einer Woche.

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