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Guillermo Del Toro lässt „Hellboy“ granteln

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<1>Muss man wie ein Freak aussehen, um irre Fantasy-Filme drehen zu dürfen? Es scheint so: Peter Jackson etwa, der Herr aller Ringe, gilt als Prototyp des dickbäuchig-vollbärtigen Regie-Ungetüms mit gigantischem Kassengestell auf der Nase. Auch Tarantino sieht bisweilen so aus, als käme er gerade aus dem nächsten Stadtpark gekrochen. Und Guillermo Del Toro? Der „Hellboy“-Regisseur klingt zwar vom Namen her wie ein smarter spanischer Stierkämpfer, sieht aber tatsächlich aus wie der Titel seines nächsten Projekts: „Hobbit“. Das macht ihn sympathisch.

Schon als Kind vergrub sich der Mexikaner in Comics, Mythen und Legenden, später verfiel er Horror, Science Fiction und Fantasy. Als Teenager stand für ihn felsenfest: Er wollte Regisseur werden. Fantasy-Regisseur. Wir wissen heute, dass ihm das gelungen ist: Neben Alejandro G. Innaritu („Babel“) und Alfonso Cuaron („Children Of Men“) ist er der dritte Erfolgs-Mexikaner unter den Hollywood-Regisseuren. Aber der mittlerweile 44-Jährige musste Umwege gehen. Zehn Jahre lang ließ er bedauernswerten Schauspielern als Maskenbildner Beulen, Blut und Borsten ins Gesicht kleben, nebenher drehte er Telenovela-Folgen und dann doch noch seinen ersten großen Spielfilm: „Cronos“. Der Horrorfilm wurde zum Hit, errang selbst in Cannes einen Preis – und kam bei uns nicht ins Kino.

Immerhin rief Hollywood. Doch Del Toros erster Versuch in der Traumfabrik ging schief. Der Insekten-Thriller „Mimic“ wurde von den Produzenten verunstaltet und floppte. Del Toro war frustriert, ging zurück nach Mexiko und drehte lieber ein kleines Meisterwerk: „The Devil’s Backbone“.

<2>Wieder hagelte es Preise, und Del Toro wagte einen neuen Anlauf in Hollywood. Diesmal ging es gut: „Blade 2“ gilt bis dato als bester Teil der Vampirjäger-Saga mit Wesley Snipes. Und obwohl sein übernächster Film, die wiederum in Mexiko gedrehte und im Spanischen Bürgerkrieg angesiedelte Fantasy-Geschichte „Pans Laybrinth“, als sein eigentliches (mit drei Oscars prämiertes) Meisterstück gilt, hängt sein Herz doch seit langer Zeit viel stärker an einem rotgesichtigen Comic-Wüterich: „Hellboy“. Für die erste Verfilmung schlug Del Toro 2004 die Regie für den dritten „Harry Potter“-Film aus. Und anstatt der jetzt startenden, ebenso sehenswerten Fortsetzung „Hellboy – Die goldene Armee“ hätte er dann den sechsten „Potter“ drehen können – wollte er aber nicht.

Wenn man sich die „Hellboy“-Filme ansieht, weiß man auch, warum. Sie bieten alles, was Del Toro, der nach eigener Auskunft über 7000 DVDs besitzt, so fasziniert: haufenweise kuriose Monster und Fantasygestalten. Der comichafte Kampf Gut gegen Böse hat hier zudem einen biestigen Twist: Der „Gute“ ist selbst ein grantiger Höllenknabe, und der „Böse“ im zweiten Teil ausgerechnet ein edler Elfenprinz.

Die „Hellboy“-Filme sind von garstigem Witz und von warmem Herzen. So wie Del Toro selbst, der eigentlich gern öfter mit Frau und Töchtern in Los Angeles Monsterfilme gucken würde, aber doch die meiste Zeit unterwegs ist. Demnächst wird das noch schlimmer. Da muss er wahrscheinlich für mehrere Jahre nach Neuseeland, um an Peter Jacksons Stelle den „Hobbit“ zu machen – und zwar buchstäblich. Keine leichte Aufgabe: Abermillionen von Tolkien-Fans erwarten von ihm nicht weniger als einen ähnlichen Jahrhunderterfolg wie Jacksons „Ringe“-Trilogie. Aber: Seine Optik ist ja ein gutes Omen.

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