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Haiti-Hilfe: Polizei erhebt neue Vorwürfe

Günter Benning

Münster - Der Betrüger lebte lustbetont. 3000 Euro musste er allein nach mehreren Besuchen in einem münsterischen Bordell zahlen. Er zückte dafür eine Kreditkarte. Die Rechnung allerdings bekam eine „flüchtige Bekannte“ des Mannes. Der hatte er nach einer Kurz-Romanze die Plastikkarte gestohlen.

Die Bordell-Nummer ist nur eine Episode in einer Kette von Betrügereien des 31-jährigen Münsteraners. Zuletzt hatte er in zwei münsterischen Clubs ein großes Haiti-Hilfe-Event organisieren wollte. Das sollte am 27. Februar Geld für die Erdbebenopfer einbringen.

Hier gab es bereits Verträge mit Bands, eine eigene Internetseite, Spendenformulare und einen Online-Ticketshop. Nur der Nachname, mit dem der Veranstalter überall auftrat, war frei erfunden. Möglicherweise auch die Namen anderer Ansprechpartner.

„Die Polizei steht noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte gestern Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Denkbar, dass die geplanten Einnahmen für ganz andere Dinge als fürs Rote Kreuz und Haiti gedacht waren ...

Unterdessen gab der Betreiber des Metropolis in Münster, den Versuch auf, die Charity-Show ohne den dubiosen Veranstalter durchzuführen. Wirt Gerald Wissel will aber im April eine Aktion mit der Bezirkschülervertretung organisieren: „Die Sache an sich ist ja gut und wichtig.“

Der 31-Jährige Scheckkarten-Dieb sitzt derweil in Untersuchungshaft. Dort dürfte er vorerst bleiben. Denn er war schon im Vorfeld wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe war bisher nicht rechtskräftig, da gegen das Urteil noch Rechtsmittel eingelegt wurden. Derzeit ermittelt die Polizei auch wegen teurer Einkäufe des Münsteraners. In etlichen Hotels hatte er mit der von seiner Bekannten entwendeten Scheckkarte gezahlt. Gesamtschaden: 8000 Euro.

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