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Rot Weiss Ahlen

Hannover trifft zu früh

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Ahlen. Baldo di Gregorio musste erst dreimal tief durchatmen, bevor ihm ein Satz zur 1:3-Pokalniederlage am Samstag im eigenen Stadion gegen Hannover 96 über die Lippen kam: „Gut gekämpft, dumme Tore kassiert und deshalb unglücklich verloren“, bilanzierte Ahlens Bester kurz, knackig, aber passend. Zu gerne hätte der Mittelfeldspieler die zweite Runde erreicht, „denn unser Verein kann jeden Euro gut gebrauchen“, dachte er an etwaige Verstärkungen seines Teams. Davon will das Ahlener Präsidium derzeit allerdings nichts wissen, verweist auf talentierte Nachwuchskicker und wird deshalb wohl auch Testspieler Rover Gibson nicht unter Vertrag nehmen.

Doch diese üblichen Nebengeräusche nach einem verpatzten Saisonstart waren am Samstagnachmittag bei herrlichem Fußballwetter vor leider nur 4667 Zuschauern (davon rund 2000 aus Hannover) zweitrangig. Ahlens Spieler hatten noch in der Kabine ein Zeichen für diesen Pokalhit gegen den Erstligisten gesetzt, als sie mit dem angesetzten Termin für das gemeinschaftliche Abendessen nicht einverstanden waren. „Da ist doch zeitlich überhaupt keine Verlängerung eingeplant worden“, ärgerten sie sich, gingen raus und wollten „möglichst lange ein torloses Remis halten, um dann nach einem Konter zu treffen“, so Kapitän Lars Toborg.

Leider machten sie hierbei die Rechnung ohne den Bundesligisten, der von Beginn an couragiert auftrat, schönen, temporeichen Kombinationsfußball zeigte und nach zwei klug herausgespielten Treffern von Kleine (5.) und Bruggink (11.) bereits nach wenigen Minuten einen Gang zurückschalten konnte.

„Diese frühen Gegentore waren Gift für unsere Ambitionen“, ärgerte sich Lars Toborg später. Dabei hätte er seine Mannschaft fast wieder ins Geschehen zurück gebracht, doch leider sprang der Ball nach seinem Schuss in der 15. Minute von der Unterkante des Tores wieder ins Feld zurück. Eine Szene, die aber deutlich machte, dass die 96er vor allem defensiv nicht souverän agierten und sich manch eine überraschende Nachlässigkeit erlaubten. Erst recht nach dem Seitenwechsel. Allerdings wohl auch, weil es zu diesem Zeitpunkt schon 0:3 stand, da der gebürtige Hammer Mike Hanke fast mit dem Pausenpfiff das vorentscheidende dritte Tor für die 96er besorgt hatte.

Die Ahlener steckten aber keineswegs auf, zeigten eine gute Moral. Immer wieder vom kampfstarken – manchmal etwas übermotivierten – Baldo di Gregorio angetrieben, brachten sie die Niedersachsen jetzt einige Male in Bedrängnis. „Viel zu lässig haben wir in dieser Phase gespielt“, ärgerte sich Hannovers Trainer Dieter Hecking, dem vor allem das Ahlener Anschlusstor durch Sebastian Schoof nach schöner Vorarbeit von Marcel Busch (62.) nicht gefallen hatte. „So einen Treffer dürfen wir nie und nimmer kassieren, da haben wir die Ahlener völlig unnötig wieder stark gemacht.“

Tief durchatmen musste der Chefcoach der Niedersachsen sechs Minuten vor dem Spielende, als Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum vor dem großen Thomas Kleine zum Kopfball kam und nur knapp an Robert Enke scheiterte. „Wenn wir in dieser Phase treffen, ist sogar noch die Verlängerung drin“, haderte Ahlens Youngster nach der Partie mit dieser und anderen vergebenen Möglichkeiten. So scheiterte Baldo di Gregorio gleich zweimal (64. und 69.) an Robert Enke, der nach dem Seitenwechsel zu Hannovers bestem Akteur avancierte.

Zwar war es am Ende ein standesgemäßer Erfolg für den Bundesligisten, doch die Ahlener konnten vor allem nach dem Seitenwechsel mit einigen guten Aktionen Selbstvertrauen für das Meisterschaftsspiel gegen den 1. FC Union Berlin tanken, das bereits Mittwoch um 19.30 Uhr im Wersestadion stattfindet.

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