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Filmrezensionen

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Schlange, Stab und Stich

Hans Gerhold

Es ist das vorletzte Abenteuer um den Zauberlehrling mit dem markanten Stirnzeichen. Die Verfilmung von Joanne K. Rowlings „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1“ wird der Gemeinde aber schon deshalb gefallen, weil keine der bisherigen Geschichten so zügig ausgefallen ist. Und auch in Sachen düstere Stimmung ist Harrys Reise durch England auf das Finale ausgerichtet, auf das er, seine Freunde und Erzfeind Lord Voldemort zusteuern.

Im Kern ist „HP 1“ ein Roadmovie, das Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) durch echte Landschaften und auch Studiokulissen führt, die die eisige Atmosphäre des Stoffes betonen. Auf der Suche nach den Horkruxen, die Aufklärung, Hilfe und Beistand ermöglichen, findet sich das Trio immer wieder in winterlichen Wäldern, auf vereisten Flüssen und windumtosten Dünen wieder, verfolgt von den Totessern und anderen Helfern des dunklen Lords (Ralph Fiennes).

Was die titelgebenden drei Heiligtümer des Todes angeht, von denen sich am Ende eines, der Elderstab des toten Dumbledore, in den Händen Voldemorts befinden wird, werden diese in einer der besten Szenen anhand des Märchens „Die drei Brüder“ in Form eines digitalisierten und fließenden Scherenschnitts vorgestellt. Da, aber auch in den Szenen mit der Riesenschlange, die mehrfach mit Biss und Stich für Schrecken sorgt, hat sich das Team um David Yates (Regie), Steve Kloves (Buch) und Lichtsetzer Eduardo Serra (Kamera) einiges einfallen lassen.

Im Mittelteil geht es in die Höhle des Löwen, in das inzwischen von Voldemort beherrschte Zauberministerium, wo man an ein Medaillon mit merkwürdigem Zeichen gelangen muss und Ron in einer komischen Kussszene für Humor sorgt. Diese Sequenz kann durchaus als Antwort der Potter-Autorin auf George Orwells „1984“ gelesen werden, sprechen doch Harrys Steckbriefe als Staatsfeind Nr. 1, die Zugriffe der Polizei, hochnotpeinliche Verhöre durch eine fanatische Ministerin und die Ausgrenzung von Fremden eine deutliche politische Sprache.

Am Vorabend seines 17. Geburtstags wagt Harry sogar ein Tänzchen mit Hermine, das für „Twilight“-Flair sorgt, und die Schutzräume in den Wäldern bieten Lagerfeuer-Romantik. In einer Sequenz führen die beiden, verschwommen nackt umschlungen, sogar den armen Ron in Versuchung, und die schlaue Hermine gibt ein deftiges Schimpfwort von sich. Hexe Bellatrix (Helena Bonham-Carter) schwingt lustvoll die Peitsche, und erste Opfer sind unter Harrys Freunden zu beklagen, darunter der aus der „Kammer der Schreckens“) bekannte Elf Dobbey. Bis dahin ein ansehnlicher Potter - die Gesamtwertung erfolgt im Juli, beim Finale.

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