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Überraschende Ergebnisse

Hauptschule tot, Realschule unter Druck, Gesamtschule die Lösung

Joachim Edler

Warendorf - Was wird aus den Schulen, wenn die Zahl der Schüler immer weiter sinkt? Welches Schulsystem ist für Warendorf geeignet? Die örtliche Schulbildungskonferenz, die sich aus den Schulleitungen zusammensetzt, hat einen ersten Schritt zur Änderung der Schullandschaft getan und sich am Mittwochabend im Schulausschuss mehrheitlich für eine Gesamtschule in Warendorf ausgesprochen.

Denn die Hauptschule ist von den Eltern quasi abgewählt. Und auch die Realschule werde in den nächsten fünf Jahren den selben Gang wie die Hauptschule gehen, prophezeite der Bildungsexperte Dr. Detlef Garbe den Kommunalpolitikern: „Mit der Realschule wird etwas passieren, was die Hauptschule hinter sich hat.“ Damit dürfte das dreigliedrige Schulsystem (Hauptschule, Realschule und Gymnasium) in Warendorf schon bald der Vergangenheit angehören.

Politisch ist zwar noch nichts entscheiden, doch würden die Schülerzahlen neben einer Gesamtschule ausreichen, um die bestehenden Gymnasien (Mariengymnasium und Laurentianum) nicht zu gefährden. Einzig das Augustin-Wibbelt-Gymnasium würde seine ohnehin schwache Sekundarstufe I aufgeben müssen und den Weg zum reinen Oberstufengymnasium gehen. Schulleiter Hubert Post könnte nach eigener Aussage damit leben.

Bereits am 11. Mai will die Verwaltung erste Sondierungsgespräche mit der Bezirksregierung in Münster führen. Zwar habe man über die räumliche Lösung für einen Gesamtschulstandort noch nicht abschließend nachgedacht, sagte der Erste Beigeordnete Dr. Martin Thormann in der Sitzung, doch gebe es Standort-Potenzial in der Von-Galen-Realschule (fünf Züge) und in der Hauptschule Hinter den drei Brücken (zwei Züge). Eine Gesamtschule mit sieben Zügen an zwei Standorten.

Der Startschuss könnte bereits im Schuljahr 2012/2013 fallen. Bei 380 Schülern, die dann zu einer weiterführenden Schule wechseln und einer angenommenen Übergangsquote zur Gesamtschule von 65 Prozent, rechnet die Stadt mit 157 Schülern (5,6 Züge). 133 Schüler (35 Prozent) würden sich auf die bestehenden Gymnasien verteilen (4,8 Züge). Rechnet man die Einpendler noch dazu, würden 177 Kinder die Gesamtschule und 213 die Gymnasien besuchen.

Ab dem Schuljahr 2020, wenn nur noch 300 Schüler (demografische Entwicklung) zu weiterführenden Schulen wechseln, wird die Stadt mit 92 Anmeldungen knapp unter die Mindestzahl von 112 Schülern für eine Gesamtschule fallen. Nur wenn die 20 Einpendler dazugerechnet werden, erreicht die Gesamtschule mit 112 Schülern wieder ihre Vierzügigkeit. 98 Schüler gehen laut Statistik auf die heimischen Gymnasien. Und 70 Einpendler kämen dann bei den Gymnasien dazu.

Viele Kommunalpolitiker waren von der Schulentwicklungsplanung überrascht worden. Eine Gesamtschule wäre eine einschneidende Veränderung, warnte Martin Schulte (CDU): „Das kann man nicht im Galopp entscheiden, sondern muss zunächst intensiv in den Fraktionen beraten werden.“

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