1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Hellseherische Fähigkeiten?

  6. >

Rot Weiss Ahlen

Hellseherische Fähigkeiten?

André Fischer

Ahlen/Dortmund - „Ich möchte einmal auf der Insel spielen, gegen Marseille und in Griechenland, wo richtig die Post abgeht, wo Stimmung ist.“ Kevin Großkreutz, Ex-Rot-Weißer und in seiner dritten Profisaison Stammkraft bei Borussia Dortmund, hatte jüngst klare Vorstellungen, wen er sich in der Champions League als Gegner wünscht.

Die „AZ“ traf ihn zwei Tage vor der Auslosung auf dem Trainingsgelände des BVB in Dortmund-Brackel und hakte nach. Und siehe da: In Monaco wurden den Schwarz-Gelben in der Gruppe F Arsenal London (England), Olympique Marseille (Frankreich) und Olympiakos Piräus (Griechenland) zugelost. Hat dieser Kevin etwa hellseherische Fähigkeiten? Wohl weniger, vielmehr hatten die Losfeen „Bobby“ Charlton, Ruud Gullit, Paul Breitner und Lothar Matthäus ein glückliches Händchen, zumal die Gruppe durchaus machbar ist.

Was für eine Karriere für den 23-Jährigen, dessen Stern in Ahlen aufging, nachdem ihn Peter Wongrowitz, heute Trainer des NRW-Ligisten KFC Uerdingen, einst im Jugendbereich bei der Borussia aussortierte. Unter Manfred Christel stieg er bei den B-Jugendlichen von LR Ahlen zum Führungsspieler und Torjäger auf. Zwei Jahre später trainierte er als Jungjahrgang der A-Junioren bereits regelmäßig bei den Zweitligaprofis mit und wurde mit der Zeit immer wertvoller für den Club, ehe ihn 2009 Kult-Trainer Jürgen Klopp zurück nach Dortmund holte. Zu früh?

Das jedenfalls glaubten die Ahlener Fans, die ihren Kevin liebend gern noch ein Jahr im Wersestadion gesehen hätten. „Kloppo“, im März 2009 in der rappelvollen Stadthalle mit einem Vortrag zum Thema „Faszination Fußball“ zu Gast, entgegnete voller Überzeugung: „Wir holen keinen Spieler mit Anfang 20, um ihn auf der Bank versauern zu lassen. Kevin hat glänzende Perspektiven bei uns in Dortmund. Wir glauben an den Jungen.“

Dieser Glaube zahlt sich bislang aus. Schon in seiner Premieren-Saison im Oberhaus streifte er ganze 33-mal das Trikot des Traditionsvereins über, war zudem fünfmal als Torschütze erfolgreich. „Ich bin hier super aufgenommen worden, vom ersten Tag an. Der Trainer hat mir immer Einsatzzeiten gegeben, hat mich immer wieder reingebracht. Ja, da brauchen wir nicht drumrumzureden, Jürgen Klopp habe ich viel zu verdanken“, ist Großkreutz froh, unter Klopps Fittiche geraten zu sein. Dabei wurde selbst Kevin von seinem eigenen Aufstieg förmlich überrollt: „Ich hätte nicht gedacht, dass es von Anfang an so gut läuft, ich habe lediglich gehofft. Ich wollte immer Fußballprofi werden und wer mich kennt, der weiß, dass ich immer kämpfe und alles gebe. Und gerade bei dem Trainer zeichnet sich das aus.“

Bitter nur, dass nach der Ära Großkreutz in Ahlen das eigentliche Dilemma beim heimischen Fußball-Club begann. RW stieg aus der Zweiten Liga ab, meldete wenig später in der Dritten Liga Insolvenz an und findet sich nunmehr in der NRW-Liga wieder. Eine Tatsache, die Kevin traurig stimmt: „Ich habe das alles genau verfolgt und das tut mir unendlich leid für den Verein. Ich hoffe, dass es irgendwann wieder aufwärts geht.“ Kein Wunder, dass der Kontakt zum alten Club inzwischen weniger geworden ist, zumal kaum noch jemand seiner alten Weggefährten in Ahlen unter Vertrag steht: „Aus der Truppe habe ich vielleicht mal ab und an zu Bernhard Venker Kontakt, aber sonst kenne ich ja fast eigentlich gar keinen mehr.“

Dafür ist Vater Martin noch ab und an bei Spielen der Rot-Weißen zugegen. Zuletzt verfolgte er das Westfalenpokalspiel der Rot-Weißen in Dortmund-Mengede (1:2) und kündigte an, demnächst mal wieder im Fanbus mit zu einem Auswärtsspiel zu reisen. Einmal RW Ahlen, immer RW Ahlen.

Startseite