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Hendrik Wüst: „Ich mache den Job gerne“

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Münster/Düsseldorf - Seit zweieinhalb Jahren organisiert Hendrik Wüst die NRW- CDU. Der Generalsekretär, gebürtig Rheder und privat verbandelt in Münster, hat der Partei neuen Schwung eingehaucht. Über die zentralen Aufgaben der NRW-CDU, über Leistungsdruck schon in der Vor- und Grundschule und über seine Zukunft sprach unser Redaktionsmitglied Frank Polke mit ihm.

Die Landesregierung investiert viel Geld in den Bereich Schule. Dennoch kann sie mit dem Thema Bildung im Bewusstsein der Bürger noch nicht so richtig punkten. Woran liegt das?

Wüst: Mit 40 Prozent weniger Unterrichtsausfall, 5000 zusätzlichen Lehrerstellen und 450 neuen Ganztagsschulen bis zum Jahr 2010 können wir uns sehr gut sehen lassen. Viele Menschen haben aber immer noch die Negativ-Schlagzeilen über die Pisa-Studie im Hinterkopf. Der Pisa-Schock wirkt nach, deshalb brauchen wir jetzt natürlich einige Zeit, bis die Erfolge, die wir im Schulbereich bereits erreicht haben, auch ankommen.

Die Erwartungshaltung der Eltern in die Leistungsfähigkeit ihrer Kinder ist nach dem Pisa-Schock enorm gestiegen. Experten warnen bereits vor einem zu großen Druck, dem die Kinder ausgesetzt werden. Wie stehen Sie dazu?

Wüst: Das macht mir Sorgen. Ich sehe das auch im Familien- und Freundeskreis. Natürlich ist es richtig, dass Eltern ihren Kindern einen guten Start ermöglichen wollen. Man sollte aber nicht schon im Kindergartenalter damit anfangen, die Kinder mit unrealistischen und zu hohen Erwartungen unter immensen Leistungsdruck zu setzen.

Themenwechsel. Das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab, die Konjunktur zeigt Bremsspuren. Was kann die Landesregierung tun, damit es 2009 kein böses Erwachen gibt?

Wüst: Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Unternehmer in Nordrhein-Westfalen gute Rahmenbedingungen haben. Da haben wir in den letzten Jahren einiges erreicht, und NRW ist nicht mehr Schlusslicht, sondern führt die Wachstumszahlen an. Das zeigt auch der ifo-Geschäftsklimaindex, bei dem wir in den vergangenen Monaten über Bundesdurchschnitt lagen. Das hat es unter Rot-Grün nie gegeben.

Ein anderes Phänomen ist das subjektive Gefühl vieler Menschen, vom sozialen Abstieg bedroht zu sein. Fehlt es vielleicht an Vertrauen in die Entscheidungsträger?

Wüst: Die Politik muss den Menschen neue Sicherheit geben. So gut wie alles ist reformiert worden – vom Arbeitsmarkt über das Bildungssystem, Zuwanderungsrecht bis hin zur Familienpolitik. Diese Reformen waren notwendig, haben aber zu großen Verunsicherungen geführt. Die Menschen sind bereit, Veränderungen zu akzeptieren, wenn es dabei gerecht zugeht. Aber vielfach ist die Angst entstanden, dass die ganze Reformatik das Leben nur unsicher und schwieriger macht. Politik muss neue Sicherheit ermöglichen. Es ist wichtig, vom Ende her zu argumentieren, dass weniger Schulden zu mehr Freiheit für die nächste Generationen führen, und nicht jede einzelne kleine Streichung zu beklagen. Zum Zweiten muss sich die Politik darum kümmern, dass Wachstum sich auf Arbeitsplätze und Wohlstand niederschlägt.

Sie sind ja gebürtiger Münsterländer und vertreten den südwestlichen Kreis Borken im Landtag. Teilen Sie die Ansicht Ihres Borkener Parteifreundes Jens Spahn, dass die Region nicht gut genug vertreten wird in Düsseldorf?

Wüst: Es gibt wohl kaum eine Region, die bei uns in der CDU-Landtagsfraktion so gut vernetzt ist wie das Münsterland. Ich finde es prima, dass auch Jens Spahn und die anderen Bundestagsabgeordneten gemeinsam mit uns Druck für unsere Heimat machen. Die SPD scheint aber großen Nachholbedarf zu haben, was das Münsterland angeht. Als die SPD-Landesvorsitzende Kraft vor ein paar Tagen in einem Hotel in Warendorf abstieg, erzählte sie am nächsten Tag, sie habe in Ostwestfalen übernachtet. Bei der SPD hört NRW in Dortmund auf.

Sie sind seit knapp zwei Jahren Generalsekretär der NRW-CDU. Ihre Arbeit findet Anerkennung. Wo sehen Sie sich beruflich in zehn Jahren?

Wüst: Ich mache den Job, den ich habe, gerne. Mein Ziel ist es, dass wir den Wahlmarathon der nächsten beiden Jahre erfolgreich bestreiten und vor allem die Landtagswahl im Frühjahr 2010 gewinnen. Die großen Ziele für das Jahr 2010 liegen nicht im politischen, sondern eher im privaten Bereich.

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