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Politik Inland

Hendrik Wüst - Rüttgers' Mann fürs Grobe

Düsseldorf - Hendrik Wüst war für den nordrhein- westfälischen CDU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers stets der Mann fürs Grobe. In den vergangenen Monaten produzierte der 34-jährige Jungpolitiker aber nur noch Negativ- Schlagzeilen für seinen Chef. Am Montag war das Maß dann voll: Elf Wochen vor der Landtagswahl musste der Generalsekretär mit einem Rücktritt...

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Düsseldorf - Hendrik Wüst war für den nordrhein- westfälischen CDU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers stets der Mann fürs Grobe. In den vergangenen Monaten produzierte der 34-jährige Jungpolitiker aber nur noch Negativ- Schlagzeilen für seinen Chef. Am Montag war das Maß dann voll: Elf Wochen vor der Landtagswahl musste der Generalsekretär mit einem Rücktritt die Konsequenzen aus einer „Sponsoring-Affäre“ ziehen.

Bereits im vergangenen Sommer musste Wüst auf Geheiß von Rüttgers die Video-Beobachtung öffentlicher Auftritte von SPD-Landeschefin Hannelore Kraft stoppen. Über diese Aktion äußerte sich seinerzeit auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisch. Die Beobachtung wurde durch die Veröffentlichung eines internen E-Mail- Wechsels zwischen der Parteizentrale und der Staatskanzlei publik. Auch dieses „Leck“ in ihrer Schaltstelle ließ die NRW-CDU nicht gut aussehen.

Ganz im Gegensatz zu seinem sehr korrekten Äußeren ist Wüst im Umgang mit politischen Gegnern nicht eben zimperlich. Als zu grobschlächtig empfanden selbst viele Parteigenossen Wüsts „Kraftilanti“-Kampagne, mit er seit Monaten versucht hat, die Oppositionschefin Hannelore Kraft (SPD) vorzuführen. Mit Akribie spießte Wüst jede aus seiner Sicht misslungene Äußerung der Sozialdemokratin auf. Er bezichtigte sie wiederholt, die Wähler in der Frage einer Koalition mit der Linkspartei zu belügen und forderte sie aus verschiedensten Anlässen immer wieder zu öffentlichen Entschuldigungen auf.

In Erklärungsnöte geriet Wüst im Dezember 2009, weil er monatelang sowohl von der CDU wie auch vom Landtag doppelte Zuschüsse für seine private Krankenversicherung kassiert hatte. Nachdem Medienrecherchen den Fall ans Licht gebracht hatten, zahlte er rund 6000 Euro zurück.

Die Sprossen auf der politischen Karriereleiter hatte Wüst im Schnellgang erklommen. Der Jurist war Vorsitzender der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen, schaffte 2005 auf Anhieb den Sprung in den Landtag und wurde nur ein knappes Jahr später von Rüttgers zum Generalsekretär des größten CDU-Landesverbandes berufen. Wüst habe gezeigt, „dass er beherzt Politik anpacken und durchsetzen kann“, lobte Rüttgers damals seine Entdeckung.

Innerparteilich feilte der ledige Hobbyjäger und Freund von Krimis und gutem Essen an seinem konservativen Profil. Zusammen mit dem heutigen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus und Ex-CSU-Generalsekretär Markus Söder gehörte er 2007 zu den Autoren des Positionspapiers „Moderner bürgerlicher Konservatismus“.

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