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Herkulesaufgabe

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Wieder schaut die Welt nach Washington. Doch ansteckende Jubelszenen wie am Ende des US-Wahlmarathons wird man nirgends sehen. Der Weltfinanzgipfel der G20 ist ein Krisengipfel, ein eilig einberufenes Treffen, vorrangig um zu retten, was zu retten ist.

Angesichts noch immer taumelnder Finanzsysteme sind erlösende Nachrichten vorerst aber kaum in Sicht. Da mag Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Schulterschluss der Mächtigen optimistisch in die Kameras schauen und von Therapie reden. Tatsächlich ist man rund um den Globus noch mit der Ersten Hilfe und der Ermittlung der Schäden beschäftigt. Eine richtige Ordnung – so musste die Welt jetzt erfahren – hat es im wuchernden Finanzsystem vielerorts nicht mehr gegeben. Jetzt steht das System selbst auf dem Prüfstand. Wahrlich eine Herkulesaufgabe für die Gipfelteilnehmer, aber auch eine Chance, die Zukunft zu gestalten.

Lückenlose Transparenz, konsequente Überwachung, strengere Kontrollen, neue Managerkodizes – es sind bisher nur in Worte gekleidete Reformideen, die den Aufstieg auf den Gipfel begleiten. Was am Ende – falls überhaupt – beschlossen wird, ist wegen der unterschiedlichen Interessenlagen weitgehend offen.

Die EU hat ihre Hausaufgaben gemacht, der Internationale Währungsfonds einen Plan entwickelt. Doch aus dem Mutterland der Kreditkrise kommt bislang in bekannter Bush-Manier wenig Handfestes. Als wäre der Hurrikan, der über den US-Märkten tobt, noch nicht Krise genug.

Gelingen kann der Gipfelsturm nur, wenn sich tatsächlich internationale Seilschaften bilden. Ansonsten droht beim G20 der gemeinsame Absturz.

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