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Hertha BSC: Die Schulden-„Könige“

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Kein anderer Bundesligist hat höhere Verbindlichkeiten als Hertha BSC Berlin

Wo kommen sie her?

Hertha ist zu einer grauen Maus verkommen. Kaum Spielwitz, wenige Tore, kurz: unansehnlich. So vergraulten die Berliner ihre eigenen Fans. Unteres Mittelfeld, mehr war nicht drin in der vergangenen Saison. An die Meisterelf vergangener Tage erinnern sich nur noch die Urgroßväter: 1930 und 1931 stürmte Hertha zum Titel. Etwas frischer sind nur die Erfolge im bedeutungslosen Liga-Pokal (2001, 2002). Damals spielten die Berliner um ihren Torjäger Michael Preetz sogar in der Champions League. Seither wollen sie jedes Jahr international spielen, selbst wenn die eigene Klasse das nicht hergibt.

Wo wollen sie hin?

Nach Europa. Die Hauptstadt will Deutschland auf großer Bühne vertreten. Doch die Sache hat einen Haken: Die Konkurrenz hat ordentlich aufgerüstet, die Hertha eher bescheiden. Doch vielleicht klappt das in diesem Sommer schon. Hertha spielt im UI-Cup, weil sie in der Fair-Play-Wertung vorne landeten. Immerhin.

Das liebe Geld

Keinen Verein in der Bundesliga drücken derart hohe Schulden, etwa 45 Millionen Euro. Ein Deal mit dem Sportrechte-Vermarkter Sportfive sorgt für die Liquidität im Tagesgeschäft. Die Berliner, die einst mit dem Geld nur so um sich warfen, können sich aber keine großen Sprünge erlauben. In den letzten Jahren setzten sie auf eher zweitklassige Brasilianer (Mineiro, André Lima, davor Alex Alves) und die eigenen Jugendspieler. Die beiden Boatengs, Dejagah, Ede und Bieler sind allerdings schon längst wieder weg.

Wer hat das Sagen?

Der Schweizer Lucien Favre ist zwar der Trainer der Berliner. Das Sagen hat jedoch ein anderer: Manager Dieter Hoeneß. Und irgendwie ist das auch logisch, wenn man Hoeneß heißt. Seine Bilanz ist jedoch nicht annähernd so erfolgreich wie die seines großen Bruders vom FC Bayern. Bei Transfers lag er in schöner Regelmäßigkeit daneben, hat außerdem den Schuldenberg mitzuverantworten.

Der Typ, auf den Sie achten sollten.

Marko Pantelic ist die Diva der Hertha, aber auch ihre Lebensversicherung. 13 Mal traf er in der vergangenen Saison – so oft wie kein anderer Herthaner. Pantelic, der aussieht, als trage er das Gel gleich kiloweise im langen Haar, hat eine überragende Technik. Er weiß, dass Berlin auf ihn angewiesen ist und benimmt sich deshalb manchmal so, als gehöre der ganze Laden ihm höchstselbst. Doch seine Tore sprechen für ihn. Auch, wenn er nicht gerade als Freund des Trainers gilt.

Wen schlagen sie am liebsten?

Besonders die Kollegen aus dem Osten der Republik. Mittlerweile ist davon nur noch Energie Cottbus übriggeblieben. Auch gegen die Bayern spielt die Hertha immer ganz gerne. Weil sie häufig als Sieger vom Platz gehen.

Der ausgefallenste Fan-Artikel

Gerne genommen: Der Mannschaftsbus Doppeldecker im Maßstab 1:87. Dazu gibt es den Hertha-Toaster, der das Vereinslogo auf die Weißbrotscheibe brennt. Auch Hochprozentiges haben die Berliner zu bieten: Das Hertha-Schlückchen, einen Wildfruchtlikör mit 15 Prozent Alkohol.

Prognose

Hertha hat schon wieder drei Brasilianer geholt, am vierten baggern sie gerade noch. Doch Stars sind das nicht. Der Kader verfügt über zu wenig Qualität, um Ansprüche aufs internationale Geschäft zu untermauern. Tendenz: Platz 9 bis 13.

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