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Hier kennt jeder jeden

Michael Grottendieck

Münster-Mecklenbeck /Amelsbüren - Die kleine Loevelingloh-Schule ist weit und breit einzigartig. Gibt es 30 Anmeldungen, spricht der kommissarische Schulleiter Georg Hilderscheid von einem „regelrechten Boom“. Sind es jedoch unter 20, vielleicht sogar nur 18, herrscht roter Alarm. Dann könnte die Grundschule, die lediglich über vier Klassen verfügt, weg vom Fenster sein.

Gegenwärtig ist es gut bestellt um die 109 Jahre alte Schule am Kappenberger Damm, gleich gegenüber der Gaststätte „An de Wiedau“. Sie ist auch bei Mecklenbecker Kindern - insbesondere aus dem Waldviertel - recht beliebt. Die vergangenen beiden Jahre haben der Schule Klassenstärken mit jeweils 30 Kindern beschert. Dadurch ist die Zahl der Schüler auf 108 hochgeschnellt.

Doch Zahlen können eine trügerische Sicherheit geben. Immer wenn die Sprache auf den heiß erwarteten Schulentwicklungsplan der Stadt Münster zur Sprache kommt, fällt immer wieder der Name Loevelingloh-Schule. Sind kleine Grundschulen noch zeitgemäß? Arbeiten sie pädagogisch auf dem aktuellen Stand? Wird ihr Bestand angesichts tendenziell sinkender Kinderzahlen von Dauer sein?

Jede Menge Fragen und vor allem Grund genug, für Joachim Schmidt, Hiltruper Bezirksbürgermeister, die Loevelingschule aufzusuchen. Dem kommissarischen Schulleiter Georg Hilderscheid konnte er dabei noch nicht zur Ernennung zum Rektor gratulieren. So weit ist das Verfahren offenbar noch nicht.

Hilderscheid gehört eigentlich zur Nikolai-Grundschule in Wolbeck. Er ist dort stellvertretender Schulleiter und bereits zum fünften Mal nach Loevelingloh hin abgeordnet. Was den Charme einer einzügigen Schule ausmacht, kann er ganz einfach benennen: Es sei ein Vorteil, dass jeder jeden kenne. Alle seien für die Kinder ansprechbar. Deshalb funktioniere es auch gut.

Deswegen glaubt Hilderscheid auch nicht, dass über Loevelingloh das Damoklesschwert der drohenden Schließung schwebt. Die Schule genieße einen guten Ruf in der Bauerschaft, erfreue sich großer Beliebtheit in Mecklenbeck und in Amelsbüren. „Die Lehrerinnen sind hier gut angesehen“, weiß Hilderscheid, wer für das Ansehen in erster Linie verantwortlich ist.

Außerdem hat die Stadt im Rahmen des Konjunkturpaktes Gelder im sechsstelligen Bereich in das Gebäude investiert. Hilderscheid deutet als Beleg dafür, dass die Schule weiterhin Bestand haben wird. „Das macht man nicht, wenn man die Schule hier schließen wollte.“ Neue Toiletten gab es, auch die Fenster haben einen neuen Anstrich erhalten.

Geblieben ist der orangene Bauwagen auf dem Schulhof. Auch er ist eine Besonderheit der kleinen Schule. Er wird als Ruheraum für die Kinder in der Übermittagbetreuung genutzt. Im Gebäude selbst wäre dafür kein Platz.

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