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Hilgert: „Weiter klar Schiff machen“

Norbert Tiemann

Düsseldorf - WestLB-Chef Heinz Hilgert versteht nicht, warum allein das von ihm geführte Institut zur Säuberung problematischer Bilanzen auf die Auslagerung risikobehafteter Wertpapiere setzt. „Das ist der einzig attraktive Weg“, erklärt der Spitzenbanker im Gespräch mit unserer Zeitung. Und schnürt bereits an einem neuen, im höheren zweistelligen Milliardenbereich liegenden Wertpapiertransfer in eine neue, zweite Zweckgesellschaft. Ob er die Rechnung ohne den Wirt macht?

Das Land Nordrhein-Westfalen, die Sparkassen und die beiden Landschaftsverbände müssten einen zweiten Rettungsschirm aufspannen, mit mutmaßlich bis zu fünf Milliarden € erneut bürgen. Ein Engagement der Sparkassen ist zumindest zweifelhaft. Hilgert erinnert in diesem Zusammenhang an das Papier der Sparkassenverbände zur alternativlosen Konsolidierung des Landesbankensektors, in dem als erster wichtiger Punkt die Lösung der risikobehafteten Wertpapier-Frage festgeschrieben steht.

Weil Hilgert nicht nur schlechte Risiken, sondern „in einer guten Mischung“ auch bessere wie zum Beispiel Staatspapiere auslagern will, soll der notwendige Risikoschirm bei fünf Milliarden € gedeckelt werden können. „Weil die erwarteten Verluste deutlich niedriger ausfallen werden.“

Heinz Hilgert will die Bilanz weiter entlasten und „klar Schiff machen“. In den kommenden Wochen und Monaten will er die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die laufenden Fusionsgespräche zwischen WestLB, der hessischen Landesbank Helaba und der Deka zum Erfolg geführt werden. Neuerliche Erschütterungen werden im Landesbankensektor im Frühjahr nächsten Jahres erwartet, wenn die Jahresbilanzen vorzulegen sind.

Hilgert: „Wir können doch nur mit solchen Häusern sprechen, die sich dann noch bewegen können.“ Den in der Eigentümerfamilie für Streit sorgenden Umzug der WestLB-Dependance ins New Yorker World Trade Center für eine Jahresmiete von annähernd zehn Millionen Dollar verteidigt Hilgert. „Sachlich haben wir alles richtig gemacht.“ Der 15 Jahre lang laufende neue Mietvertrag räume der Bank ein unbeschränktes Recht zur Untervermietung ein und erlaube die erforderliche Flexibilität. Hilgert: „Andere Mietverträge kriegen Sie in New York heute nicht.“ Und: „Wir müssen aus der jetzigen Immobilie raus; der Nachmieter Fox TV hat ältere Rechte.“

Im deutschen Mittelstandsgeschäft kann die WestLB bei Weitem noch nicht so Fuß fassen, wie die Eigentümer dies im Frühjahr ursprünglich geplant hatten. Wegen der wesentlich günstigeren Refinanzierung über die Spareinlagen könnten die Sparkassen deutlich attraktivere Kreditangebote machen als die Landesbank, erläutert Hilgert. Deren Rolle beschränke sich in diesem Bereich darauf, über gewährte Bürgschaften den Sparkassen Teile ihres Risikos abzunehmen. „Aber auch das ist klassisches Verbundgeschäft, und das läuft gut.“

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