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Hoffnungsträger schiebt Frust

Michael Schulte

Gelsenkirchen. Das Interesse von Bundestrainer Joachim Löw an Jermaine Jones freut den Schalker Mittelfeldspieler natürlich. Aber nach der verdienten 0:2 (0:0)-Niederlage gegen den Karlsruher SC überwog dennoch der Frust beim defensiven Mittelfeldspieler. „Wir haben es verpasst, uns oben in der Tabelle festzusetzen.“

Da ist es ihm auch kein Trost, dass ihm Manager Andreas Müller bescheinigt, der legitime Nachfolger vom Belgier Marc Wilmots zu sein. Immerhin muss er sich seitdem mit dem zweifelhaft schmeichelhaften Kosenamen „neues Kampfschwein“ herumschlagen. Der Ex-Frankfurter lebt in seinem Spiel vom Kampf und Einsatz und hat schon deshalb die Herzen der Fans auf seiner Seite.

Zuletzt in der Champions League tat er sich zudem in Trondheim als Torschütze hervor und war auch gegen den Aufsteiger auf dem besten Weg dazu. Aber sein Fernschuss nach 22 Minuten und sein Kopfball vier Minuten später flogen knapp am Tor vorbei. „Das wäre es gewesen“, trauerte er diesen Chancen nach. Denn mit einer Führung im Rücken wäre es den Schalkern gewiss leichter gefallen, das Abwehrbollwerk des KSC zu knacken.

So blieb es ein vergebliches 90-minütiges Anrennen, bei dem die Schalker wenig Esprit versprühten und recht kopflos wirkten. „Wir haben nicht gut gespielt. Und nicht einer von meiner Mannschaft war in Topform.“ Die Begründung dafür lieferte Trainer Mirko Slomka gleich mit. „Nach den anstrengenden letzten Wochen konnte unsere Kraft nicht zu hundert Prozent da sein.“

Es sollte nicht als Entschuldigung herhalten. Schließlich sind die Schalker froh, neben der Bundesliga auch in der Champions League mitzumischen. „Wir machen das gerne. Und wir achten dabei auch auf jede Kleinigkeit. Aber das muss dann für alle gelten.“ Was als Kritik an seiner Mannschaft zu verstehen war, wollte er auch auf die Unparteiischen übertragen. „Wir haben durch Kevin Kuranyi ein reguläres Tor erzielt, das der Schiedsrichter leider nicht gegeben hat. Es war nicht mal gleiche Höhe, es war never ever Abseits. Das war eine große Kleinigkeit.“ Nach einem Kopfballzuspiel von Jones war Kuranyi urplötzlich ganz frei, aber der Pfiff von Dr. Helmut Fleischer machte in der 64. Minute alles zur Makulatur.

Kuranyi sah darin aber nicht den Knackpunkt des Spiels. „Wir müssen einfach besser spielen, dann gewinnen wir auch solch eine Partie.“ Fatalerweise gelang dem KSC vier Minuten später durch Christian Timm die Führung, als er vom Ex-Schalker Tamas Hajnal mustergültig bedient wurde.

Mit inzwischen frischen Kräften und immer noch alten Ideen versuchten die Schalker, das Blatt zu wenden und spielten damit den Gästen in die Karten. Erneut Hajnal auf Timm – nach 83 Minuten war alles entschieden. „Das muss ich erst einmal sacken lassen, auf der Rückfahrt im Bus habe ich Gelegenheit dazu“, freute sich Doppel-Torschütze Timm nach Spielschluss noch recht verhalten. Der Ungar Hajnal, zwischen 1998 und 2004 Ersatzmann auf Schalke mit acht Erstliga-Einsätzen: „Für mich war es eine schöne Rückkehr. Es hat riesigen Spaß gemacht.“

„Für uns ist das ein überragender Start in die Saison“, stellte KSC-Coach Edmund Becker fest, „aber wir können das alles schon richtig einschätzen“. Höhenflüge gestattet er nicht, befürchtet das bei seinen bodenständigen Badenern allerdings auch nicht. Slomka war es wichtig, dem bärenstarken Gegner hohen Respekt zu zollen. „Der KSC hat eine Klasseleistung geboten. Die Mannschaft steht vollkommen zu Recht nicht nur vor uns, sondern in der Tabelle ganz oben.“

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