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Hopsten: Leiche wird exhumiert - Totschlag durch unterlassene Hilfe?

Hopsten. Eine ehemalige Bewohnerin einer Altenpflegeeinrichtung in Hopsten, die im August 2009 verstarb, ist am Donnerstagmorgen exhumiert worden. Das bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Ermittelt werde wegen Totschlag durch Unterlassung beziehungsweise unterlassener Hilfeleistung. Konkret soll es sich bei der Verstorbenen um eine ältere...

Antje Raecke

Hopsten. Eine ehemalige Bewohnerin einer Altenpflegeeinrichtung in Hopsten, die im August 2009 verstarb, ist am Donnerstagmorgen exhumiert worden. Das bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Ermittelt werde wegen Totschlag durch Unterlassung beziehungsweise unterlassener Hilfeleistung.

Konkret soll es sich bei der Verstorbenen um eine ältere Dame handeln, die vor ziemlich genau einem Jahr zwei Tage lang über massive Beschwerden im Bauchbereich geklagt habe. Nach zwei Tagen sei die Frau dann verstorben. Mit der Exhumierung werde nun versucht, die exakte Todesursache zu ermitteln. Kein leichtes Unterfangen nach einem Jahr, gibt der Oberstaatsanwalt zu bedenken. Dennoch soll eine gerichtsmedizinische Untersuchung klären, ob die Frau aufgrund ihrer Beschwerden behandelt worden sei und ob diese Behandlung fachgerecht war. „Zudem müssen wir klären, ob bei rechtzeitiger Hilfe durch einen Arzt der Tod hätte vermieden werden können“, erklärt Schweer.

Damit hat die Liste der Vorwürfe, die gegen die Betreiber der Pflegeeinrichtung und dem ehemals dort tätigen Pflegedienst erhoben werden, allerdings noch kein Ende. „Wir ermitteln wegen der Ausgabe sogenannter Neuroleptika“, sagt Schweer. Diese „Nervendämpfungsmittel“ sollen Bewohnern immer dann verabreicht worden sein, wenn Besuche der Pflegekassen zur Festlegung der Pflegestufen der Patienten anstanden. Denn durch die Einnahme der Neuroleptika wirkten die betroffenen Personen oftmals abwesend, dämmerten nur so vor sich hin und vermittelten so wohl einen pflegebedürftigeren Eindruck. Der vermutliche Hintergrund sei ebenso einfach wie kriminell, sagt Schweer: „Je höher die Pflegestufe, desto mehr Geld gibt es.“

Weiter sollen den Bewohnern auch Antibiotika verabreicht worden sein, ohne dass die älteren Menschen jedoch krank waren. Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft seit mehr als einem Jahr wegen Betrugs. Zum einen sollen Leistungsnachweise über erbrachte Pflegeleistungen falsch abgerechnet worden sein. Den Kassen seien über längere Zeit immer mehr Leistungen in Rechnung gestellt worden als tatsächlich erbracht wurden. Vermutlich liege die Schadenssumme zwischen 40 000 und 50 000 Euro.

Neben dem Abrechnungsbetrug werde den Betreibern der Einrichtung Subventionsbetrug vorgeworfen. Für verschiedene Baumaßnahmen seien öffentliche Fördermittel beantragt und in Anspruch genommen worden. „So wie es aussieht, sind für Bauvorhaben höhere Summen angegeben worden, um eine entsprechend höhere Förderung zu bekommen“, erläutert der Oberstaatsanwalt.

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