1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Hormonbehandlung

  6. >

Archiv

Hormonbehandlung

Martina Döbbe

Münster. Es hört sich flapsig an, ist aber nicht so gemeint. „Kann ich unbedenklich Hormone nehmen bis an mein Lebensende?“, möchte eine Zuhörerin wissen. „Ja, aber nicht länger“, das sei seine Standard-Antwort auf diese Frage, die er öfter höre. Prof. Dr. Ludwig Kiesel macht der Dame auch das Dilemma deutlich, in dem er dabei steckt: „Es gibt Studien und Statistiken, die allesamt Ergebnisse liefern, die aus einer Breitenuntersuchung stammen und im Durchschnitt zu bewerten sind.

Für jeden individuell eine durch und durch richtige Antwort zu geben, das ist einfach unmöglich. Dafür brauchte ich einen Chip, gespeichert mit tausenden Informationen über Sie und Ihren Gesundheitszustand, dann könnte ich vielleicht ein bisschen ins Detail gehen.“

So aber, bedauert der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in der Abendvisite, könne man immer nur aus bisherigen Untersuchungen zitieren und informieren. „Es gilt aber in jedem Fall, persönliches Risiko abzuwägen.“ Und das gelte selbstverständlich auch für die Einnahme von Hormonen.

Ihre Wirkung, ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen und mögliche Nebenwirkungen zeigte der Gynäkologe in einem breit gefächerten Themenspektrum auf, das sich um den Leitgedanken drehte „Hormonelle Erkrankungen der Frau“.

Zwischen Pubertät und Wechseljahren – also dem Beginn der Periode und ihrem Ende – gibt es viele Beschwerden und Erkrankungen, die junge und älter werdende Frauen quälen. Dazu kommt, dass diese Probleme speziell bei jungen Frauen oft auch mit einem unerfüllten Kinderwunsch einher gehen.

Genetische Veranlagung, Endometriose (Verwachsungen der Gebärmutterschleimhaut) oder Myome können die Ursache sein. Sie exakt zu diagnostizieren, sei wichtig für die erfolgreiche Behandlung. Problematisch werde es dann manchmal, wenn Beschwerden nicht eindeutig in eine Richtung wiesen. Zyklusstörungen seien jedenfalls immer ein Hinweis darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Dazu zählen auch Zwischenblutungen und ausbleibende Regel.

Die Endometriose zum Beispiel macht statistisch gesehen jeder siebten Frau zwischen 18 und 50 Jahren zu schaffen. Myome (fast immer gutartig) haben 25 Prozent aller Frauen über 30 Jahren, und ungefähr die Hälfte der Frauen in den Wechseljahren klagt über Beschwerden, an erster Stelle Hitzewallungen (55 Prozent). Depressionen, Kopf- und Rückenschmerzen, aber auch Schlaflosigkeit zählen ebenfalls zu den häufig genannten Problemen, die Frauen in dieser Phase das Leben schwer machen können.

Wann sie aber Hormone nehmen sollten, um sie zu lindern, das müsse man im Einzelfall individuell entscheiden, betonte Prof. Kiesel. Und riet: „Nicht pausenlos einfach einnehmen, sondern zwischendurch immer testen, ob es auch ohne geht.“

Startseite