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Hüftschwung und Haltungsschäden

Hans Gerhold

Wer die berühmte Szene mit Hugh Grant in „Tatsächlich... Liebe“, wo er als britischer Premier durch Downing Street 10 tanzt, in Spielfilmlänge wünscht, sollte die neue Komödie des Charmeurs vom Dienst nicht verpassen.

Hugh Grant spielt Alex Fletcher, einen abgehalfterten Ex-Popstar aus den legendär in Verruf geraten achtziger Jahren, der mit seinem Publikum gealtert ist und in Freizeitparks und Einkaufszentren seine Oldies und den unwiderstehlichen Hüftschwung zum Besten gibt.

Zu Beginn ist Alex mit seiner damaligen Gruppe Pop in einem Video von 1984 mit ihrem größten Hit „Pop! Goes My Heart“ zu sehen und zu hören, der echte Bands und Boy Groups wie Wham! und Frankie Goes to Hollywood persifliert und im Nachspann erneut zu sehen ist – diesmal mit hübschen Seifenblasen-Notizen, die das weitere Schicksal der Mitglieder vorstellen – bis hin zu unvermeidlichen Haltungsschäden.

„Pop! Goes My Heart“ könnte auch gut über der zwischen die Videos gezwängten romantischen Verwicklung stehen, die auf Alex mit der unsensiblen und chaotischen Sophie Fisher (Drew Barrymore) zukommt. Gekommen, um seine Pflanzen zu gießen – was eher einem Ertränkungsakt gleichkommt –, ist sie gekommen um zu bleiben. Die schrullige Sophie hat allerdings ein Talent, das sie tatsächlich an Alex binden wird: Sie kann gute Songtexte schreiben.

Da Alex als Komponist gerade einen Auftrag für die angesagte Sängerin Cora (Haley Bennett) ergattert hat und mit einem eitlen Texter unzufrieden ist, engagiert er Sophie spontan – und der Rest ist die gewohnt schnuckelige und unvermeidlich ins Glück des Pop-Himmels schwebende Romantikkomödie unseres Kinovertrauens.

Am Werk waren Profis. Neben Hugh Grant (sieben Mal im Genre unterwegs) und der nicht ganz auf seiner Höhe spielenden Drew Barrymore (sechs romantische Einsätze) auch Regisseur Marc Lawrence (fünf Filme, unter anderem mit Hugh Grant „Ein Chef zum Verlieben“), sozusagen eine Elefantenrunde. Die selbstironischen Dialoge über die Pop-Kultur garantieren Lacher, und die Nebenfiguren sind wie stets das Salz in der süßen Suppe.

So Sophies ältere Schwester, die sich als Alex‘ größter Fan herausstellt, sein gutherziger Manager (wie der von Bill Nighy in „Tatsächlich... Liebe“) und Sängerin Cora, von Hailey Bennett als Mischung aus Shakiras Hüftschwung, den spitzbübischen Küssen von Holly Valance und der Tanzwut von Sophie Ellis Bextor als esoterische Pop-Diva mit Buddha und Karma im Gepäck gespielt. Rundum Harmonie, in Text und Melodie.

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