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„Ich werde jetzt viel häufiger auf Ahlen angesprochen“

Franz Prinz

Ahlen. Vater Erich war ein hervorragender Schiedsrichter, er selbst ein klasse Kicker – übrigens der erste, der sich über Ahlens Stadtgrenzen hinaus einen Namen machte und viele erfolgreiche Jahre als Profifußballer unter anderem bei Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen absolvierte (223 Bundesligaspiele, 44 Tore). Zehn bis 15 Tage im Jahr hält sich der mittlerweile 52-jährige Wolfgang Vöge noch in Ahlen auf, besucht „alte Freunde wie Berni Hubbert“ und beobachtet nach wie vor äußerst intensiv die Entwicklung des Fußballs in Ahlen. „AZ“-Mitarbeiter Franz Prinz hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem heute als FIFA-Spielerberater tätigen ehemaligen Fußballprofi, den der Ahlener Hans Kessler entdeckt, gefördert und damals bei Wacker Ahlen zu einem guten Fußballer geformt hat.

Herr Vöge, inwieweit sind Sie noch dem Fußball verbunden?

Vöge: Täglich äußerst intensiv, schließlich habe ich die offizielle FIFA-Lizenz, organisiere Trainingslager und betätige mich als Berater von Spielern, bin aber auch insgesamt ganz nah an wichtigen Entscheidungsträgern.

Bei welchen zum Beispiel?

Vöge: Die Frage möchte ich so beantworten: Die FIFA hat mich zum Beispiel zur offiziellen Ehrung „Weltfußballer des Jahres“ eingeladen, und es ist schon ein Erlebnis, auf Fußballer wie zum Beispiel Kaka zu treffen oder mit hohen FIFA-Funktionären zu plaudern.

Welche Spieler betreuen Sie denn unter anderem?

Vöge: Die kann ich gar nicht alle aufzählen, deshalb will ich in erster Linie neben den Leverkusenern Carsten Ramelow und Tranquillo Barnetta mal zwei Dortmunder nennen, Mladen Petric und Jakub Blaszczykowski.

Die beiden Dortmunder haben ja zuletzt nicht immer überzeugt.

Vöge: Gut, aber es sind ja auch noch junge Spieler. Nehmen wir mal Jakub Blaszczykowski. Der Junge ist gerade mal 20 Jahre alt, ich bin mir sicher, dass er irgendwann mal beim AC Mailand spielen wird.

Für welche Clubs führen Sie Trainingslager durch?

Vöge: Meistens geschieht das hier in meinem jetzigen Wohnort Winterthur bei Zürich, wo sich dann zum Beispiel Mannschaft wie Leverkusen oder Dortmund im Sommer auf die Saison vorbereiten.

Verfolgen Sie denn auch die Entwicklung im Ahlener Fußball?

Vöge: Aber klar doch, das wäre doch verrückt, wenn ich dies nicht tun würde, schließlich bin ich hier groß geworden, und ich muss ehrlich sagen, dass sich das Bild dieser Stadt national wie international unglaublich verändert hat.

Könnten Sie dies noch etwas näher erläutern?

Vöge: Als ich während meiner aktiven Zeit auf Fragen nach meiner Geburtsstadt Ahlen genannt habe, kam als Antwort fast immer, ach ja, Aalen in Baden-Württemberg. Heute ist das Schwabenland aber überhaupt kein Thema mehr, da wissen alle, wo Ahlen liegt und sagen jetzt, ach ja, Ahlen bei Dortmund.

Dank Ahlener Zweitligazeiten?

Vöge: Sicherlich hat das Erreichen der Zweiten Bundesliga, das dank Helmut Spikker, Heinz-Jürgen Gosda und vielen anderen geschafft wurde, eine Menge hierzu beigetragen, aber interessanterweise werde ich jetzt noch viel häufiger auf Ahlen angesprochen.

Obwohl Rot-Weiß jetzt nicht mehr im bezahlten Fußball spielt?

Vöge: Ja, genau. Egal mit wem ich spreche, alle sind sehr angetan davon, dass trotz des Rückzuges von Helmut Spikker mit seinem Unternehmen als Sponsor der Club trotzdem noch in der Regionalliga spielt. Fast alle meiner Gesprächspartner im In- und Ausland hatten erwartet, dass es einen ganz tiefen Fall nach unten gibt, aber die Mannschaft um Heinz-Jürgen Gosda und Bernd Mehring hat hier Unglaubliches geleistet.

Da wollen Sie jetzt aber dem neuen Team bei Rot-Weiß schmeicheln.

Vöge: Warum sollte ich. Gerade ich als Ex-Ahlener, der die Entwicklung von Außen beobachtet und hierbei mit vielen hochkarätigen Sportlern und Funktionären spricht, kann doch viel besser beurteilen, was sich dort wirklich tut, als die, die nahe dabei sind. Und was die Ahlener derzeit schaffen, ist in der Tat mehr als bemerkenswert.

Was aber in Ahlen offenbar nicht von allen anerkannt wird.

Vöge: Das stelle ich auch immer fest, wenn ich mal wieder in Ahlen bin, und ich muss sagen, dass dies für mich ein absoluter Hammer ist. Schauen Sie sich doch mal in Deutschland um, wo findet man denn Städte in der Größenordnung von Ahlen, die so hoch Fußball spielen und gleichzeitig ein gesundes Vereinsleben entwickeln? Das sind meistens Traditionsclubs wie Freiburg, Kaiserslautern oder Osnabrück, die haben dann aber auch noch mehr Einwohner als Ahlen. Nein, das haben die Rot-Weißen nicht verdient. Eigentlich müssten zu jedem Heimspiel so viel Zuschauer kommen, wie damals, als ich noch in Ahlen gespielt habe, das waren dann oftmals mehr als sechs- oder siebentausend.

Wenn man Sie so reden hört, stellt man sich die Frage, ob es überhaupt eine vergleichbare Stadt wie Ahlen mit diesen Anlagen und dieser Spielklasse gibt?

Vöge: Gibt es eine? Ich jedenfalls kenne im Augenblick keine, wenn man alles, also Equipment, Spielklasse und Präsidium in die Waagschale wirft. Nein, ich bleibe dabei: Es ist enorm und einfach toll, dass die Rot Weißen jetzt noch gute Chancen haben, die Dritte Liga zu schaffen. Deshalb kann ich nur hoffen, dass Ihnen dies auch gelingt und die Ahlener endlich noch mehr zu diesem Club stehen. In anderen Teilen Deutschlands jedenfalls und auch im Ausland wünscht man dem Verein nur Gutes.

Auch dort, wo Sie zu tun haben?

Vöge: Da staunen Sie, ja, das ist wirklich so. Die neue Clubführung hat hohes Ansehen in Deutschland und es sind wirklich viele, die den Rot-Weißen jetzt erst recht die Daumen drücken, weil sie aus Erfahrung wissen, dass Rückzüge eines Hauptsponsors meistens im Debakel enden. In Ahlen ist es nicht so, das beobachten viele staunend, und deshalb wünscht man den Rot-Weißen auch, dass der Club die gesteckten Ziele erreicht.

Was glauben Sie persönlich, schaffen die Ahlener es?

Vöge: Da bin ich mir sicher. Wichtig ist, dass alle weiter an einem Strang ziehen und die Mannschaft auch im neuen Jahr mit Herz und Leidenschaft spielt.

Und wenn die Dritte Liga geschafft wird, kommen sie wieder nach Ahlen?

Vöge (lacht): Mal sehen, ich bin bestimmt schon vorher wieder hier.

Um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn man Sie fragt?

Vöge: Um Freunde und Verwandte zu begrüßen, aber wenn ich um Rat gefragt werde, stehe ich gerne zur Verfügung. Ahlener helfen sich halt.

Welche Gefühle überkommen Sie, wenn Sie mal wieder Ihre Heimatstadt besuchen?

Vöge: Immer nur gute. Ich bin gerne hier, besuche Freunde und meine Brüder. Meine Eltern und auch meine Schwiegermutter sind ja leider inzwischen verstorben.

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