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„Ich.Immendorff“: Hofberichterstattung

Gian-Philip Andreas

Jörg Immendorff war kein bequemer Mensch. Das merkt man sofort in diesem Filmporträt, das zu seinem ersten Todestag ins Kino kommt. Man sieht ihn als Künstler, wie er herrische Anweisungen gibt an seine servilen Assistenten, die in den letzten Jahren für ihn die Pinselstriche ausführten, weil er selbst, von der muskellähmenden Nervenkrankheit ALS gezeichnet, im Rollstuhl saß.

Man sieht ihn als Professor, wie er einen (münsterischen) Kunststudenten, der in seine Düsseldorfer Klasse wechseln will und ihm seine Arbeiten vorlegt, abfertigt: „Wenn ich diese Katze da schon sehe!“ Unbequem war Immendorff schon immer, und die Archivaufnahmen aus seiner wilden Zeit als Beuys-Schüler und Aktionskünstler sind das Interessanteste an diesem Film der TV-Journalistin Nicola Graef.

Auf kritische Fragen verzichtet sie. Die Mutti, Jonathan Meese, Markus Lüpertz, Kasper König: Alle stricken die Heldenlegende zusammen, wobei die „skandalösen“ Episoden bewusst verschwiegen werden und der Versuch, sein Werk kunstkritisch zu beleuchten, ausbleibt. Einmal aber gelingt eine bemerkenswerte Szene zum Rang der Kunst im Staatsbetrieb: Nachdem er unter großem Tamtam Schröders Kanzlerporträt enthüllt hat, sitzt er schon kurz darauf unbeachtet in seinem Rollstuhl.

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