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Ihr fragt - Lenz antwortet! Heute: Finanzkrise

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Staatengrenzen gibt es in der globalisierten Wirtschaftswelt kaum noch. Unternehmen agieren dort, wo sie ihre Produkte verkaufen können – und das ist längst nicht nur das Land, in dem sie sie produzieren. Und Banken handeln auch auf den internationalen Finanzmärkten mit ihrem Kapital und den manchmal zweifelhaften Produkten. Deswegen konnte es passieren, dass sie in den Strudel der Probleme geraten sind, die ursprünglich faule Immobilienkredite in den USA ausgelöst haben, die zu Spekulationsobjekten wurden.

Außerdem kennen Unternehmen selbst keine Ländergrenzen. Beispiel ist der Autokonzern Opel. Ihr Gründer und Namensgeber war ein Deutscher, fast 30 000 Menschen in Deutschland arbeiten für Opel, aber die Marke ist nicht selbstständig. Die Fäden im Hintergrund zieht der US-Branchenriese General Motors als Mutterkonzern. Er ist ebenfalls in den Strudel der Spekulationsgeschäfte und ins Wanken geraten.

Die Finanzkrise wird auch die kommenden Generationen betreffen. Experten gehen davon aus, dass wir bald wieder bis zu fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland haben. Aktuell sind 3,6 Millionen Menschen ohne Job. Das bedeutet: mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Und dem geht es sowieso nicht gerade blendend. Viele Firmen haben einen Einstellungsstopp verhängt, Auszubildende müssen schon jetzt darum bangen, nach ihrer Lehre übernommen zu werden. Vielfach werden sogar Stellen abgebaut oder Kurzarbeit verhängt.

Die milliardenschweren Konjunkturpakete, die die Bundesregierung vor einigen Monaten verabschiedet hat, verursachen das nächste Problem. Eigentlich sollte dieses Geld, das für zu unrecht ins Trudeln geratene Banken und Großunternehmen bereit gehalten wird, in den Abbau der Staatsschulden gesteckt werden. Dafür zahlt der Staat Jahr für Jahr immense Zinsen – und muss dadurch immer neue Schulden aufnehmen. Je länger das dauert, desto länger hat der Staat kein Geld für zukunftsträchtige Bereiche wie Bildung zur Verfügung.

Aber die Krise ist nur eine Talfahrt, die man durchstehen muss, betonen Wirtschaftsexperten immer wieder. Danach gehe es wieder bergauf. Ob uns irgendwann erneut eine Finanzkrise ereilen kann? So lange es globale Wirtschaftsverflechtungen gibt – immer.

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