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Ilse Aigner - Die Anwältin der Bauern

Franz Ludwig Averdunk

Berlin. Orangefarbene Mini-Paprika, gefüllt mit getrockneter Tomate und geriebenem Gouda, oder gedünstete Schollenstreifen und Kalbsrückensandwiches: Die Niederlande als Partnerland der Grünen Woche ließen sich bei der Eröffnungsfeier gestern nicht lumpen und tischten lecker auf. Das war für Agrarministerin Ilse Aigner der Gaumenfreuden-Abend – nach einem Stress-Vormittag.

Genmais-Gezerre, Milchpreis-Wirbel, Bioenergie, Vogelgrippe, Welternährung: Bei der traditionellen Begegnung mit der Presse prasselte eine Fragefülle auf eine Ministerin ein, die am 76. Tag ihrer Amtszeit noch dabei ist, ihre Hausaufgaben zu machen.

Die Grüne Woche als Feuertaufe: So ging es bereits 2001 der Grünen Renate Künast. Ihren ersten Ministerinnen-Tag verbrachte sie auf der Agrarmesse. Gerhard Schröder hatte kurzerhand seinen Vorzeigebauern Karl-Heinz Funke wieder auf dessen niedersächsischen Hof zurückgeschickt, Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) musste abtreten. Per Ministeriumstausch kam Künast zu ihrem Agrar-Job.

Vor zwei Jahren: Fragen zur Landwirtschaft rangierten beim Auftritt von Minister Horst Seehofer unter „ferner liefen“. Gerade war CSU-Supermann Edmund Stoiber gestürzt worden. Passend dazu kamen Veröffentlichungen über Seehofers Berliner Affäre, um ihn aus dem Nachfolge-Karussell schleudern zu lassen. Jetzt kann er seinen Konkurrenten von damals die Nase drehen: Er ist in München ganz oben – und Aigner in Berlin seine Nachfolgerin.

Die 44-jährige CSU-Politikerin, gelernte Elektrotechnikerin, hat es ungleich schwerer als damals Künast. Die Grüne propagierte rund um die Stichwörter Bio und Öko eine Agrarwende. Aigner steht für die Fortsetzung der Seehofer-Politik. Ruhige Hand statt Künast-Wirbelwind?

„Weder ruhige Hand noch hektische Aktionen“, gibt Aigner zu Protokoll. Eine Anwältin der Bauern möchte sie sein, stellt sie klar. Rahmenbedingungen für ein „gesichertes Einkommen“ der Landwirte will sie erhalten. Direktzahlungen öffentlicher Mittel an die Agrarier sollen weiter dazugehören – auch als „Entgelt für gesellschaftliche Leistungen“. „Nachhaltigkeit“ schreibt sie groß. 85 Prozent der bundesdeutschen Fläche würden von Land- und Forstwirten genutzt. Die sollten „vom Ertrag und nicht von der Substanz“ leben.

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