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Im Dunkeln ausgesetzt - Weitere Vorfälle bei Bus und Bahn

Julia Gottschick

Sendenhorst / Everswinkel. Marion Westphal hatte es gut gemeint, als sie das Fun-Ticket ihrer Tochter mit Bücherfolie beklebte. „Die ist ja durchsichtig – ich wollte, dass die Fahrkarte geschützt ist“, erzählt die Wahl-Sendenhorsterin. Drei Wochen war ihre 14-jährige Tochter Jasmin damit gut gefahren, hatten Kontrolleure das Ticket abgenickt. Bis zu jenem Abend im Februar dieses Jahres, als Jasmin von Lengerich – wo ihr Vater wohnt – in Richtung Münster unterwegs war. „Als sie Jasmins Karte sah, meinte die Schaffnerin, die sei wegen der Folie ungültig.“

Das Resultat: Die 14-Jährige stand im Dunkeln auf dem Bahnsteig in Münster, mit dem Rat der Kontrolleurin im Ohr, an ihrer Stelle würde sie nicht in den Bus nach Sendenhorst steigen. Denn dort würde man die Fahrkarte auch nicht akzeptieren. „Da hat Jasmin angerufen und gebeten, wir mögen sie abholen“, sagt ihre Mutter. „Sie hat sich einfach nicht mehr in den Bus getraut.“ Dass Minderjährige aus öffentlichen Verkehrsmitteln geworfen werden, ist laut Gunnar Krampe ein Unding. „Das geht so nicht. Auch nicht, wenn mit dem Ticket was nicht stimmt“, betont der stellvertretende Geschäftsführer des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehrs Münsterland (ZVM), der die Strecke Lengerich – Münster an die Bielefelder Westfalen-Bahn vergeben hat.

Fakt ist: Fahrkarten dürfen nicht maschinell verschweißt, wohl aber in eine Schutzhülle aus Plastik gesteckt werden. „So kann der Schaffner die Karte bei Bedarf herausnehmen und nachschauen, ob es sich um eine Fälschung handelt“, sagt Thomas Kopp, Bereichsleiter Vertrieb und Tarif bei der Westfalenbahn. Denn: Heutzutage seien Kopierer so gut, dass Kontrolleure das Papier betasten müssten, um es auf seine Echtheit hin zu untersuchen. Woher aber hätte Marion Westphal das wissen können? ZVM-Mann Krampe zuckt da die Schultern. Für Laien „schwierig“, räumt er ein.

Seit jenem Abend im Frühjahr nun führt die erboste Mutter einen Rechtsstreit mit dem Anbieter. Ein Bußgeld über 47,50 Euro stand auf dem Strafzettel, den Jasmin mit heimbrachte – eine Summe, die sie von ihrem Arbeitslosengeld nicht zahlen konnte. Nach einigem Hin und Her schließlich habe man ihr mitgeteilt, sie möge einfach bloß die 7,50 Euro für den Schriftverkehr begleichen. „Aber da wir in meinen Augen keinen Fehler gemacht haben“, sagt die Wahl-Sendenhorsterin, „habe ich mich stur gestellt.“ Inzwischen sind sie und der Anbieter bei einer Streitsumme von 160 Euro und einem drohenden Gerichtsverfahren angelangt.

Eine ähnliche Erfahrung hat Benedikt Pieper gemacht, allerdings mit einem Busfahrer. Der Everswinkeler trainiert regelmäßig in der münsterschen Eissporthalle Eishockey – und nimmt spät abends den Bus an der Steinfurter Straße zum Bahnhof. „Er hat immer seine Fahrkarte dabei, aber manchmal kein Geld“, erzählt seine Oma Heide Classen.

Während die Stadtwerke Münster erst ab 24 Uhr einen Nachtzuschlag erheben, verlangte der Busfahrer von Benedikt schon vor 22 Uhr einen Euro. „Den er aber nicht hatte“, so Classen. Zu jener Zeit Karnevals-Jugendprinz der Stadt Münster, nahm der 16-Jährige sein ganzes Selbstbewusstsein zusammen und sprach eine Polizeistreife an, die er an einer nahen Tankstelle entdeckt hatte. „Die fuhren ihn mit Blaulicht zum Bahnhof, damit er den letzten Bus Richtung Everswinkel noch erwischt.“

Noch heute stinksauer auf die Bahn sind die beiden Jugendlichen Hagen Busjan und Julian Heitmann aus Greven. Mit dem Ferienticket waren sie vor einem Jahr von Essen nach Münster unterwegs, als sie nach einer Kontrolle „aus dem Zug geschmissen wurden“ – die damals 14-Jährigen hatten keinen Ausweis dabei.

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