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Reste vom Vortag

Im Einsatz: Das kleine Rote

Gabriele Hillmoth

Münster - „Das kleine Rote“ hat Kai Vogelmann immer dabei - auch an diesem Karnevalswochenende in Köln. Der 45-Jährige greift in die Tasche, und schwups sitzt die Knollnase auf derselbigen. Das „Kostüm“ ist perfekt. Dezent bevorzugt Kai Vogelmann im Job - und der ist bis Rosenmontag nicht ohne. Der Pressesprecher der Malteser in Nordrhein-Westfalen, der seinen Schreibtisch in Münster stehen hat, steht beim Karneval in Köln mit Hunderten von Rettungskräften in der ersten Reihe. Der Münsteraner ist zum 13. Mal als Pressesprecher in der Einsatzleitung der Rettungskräfte beim Kölner Karneval mit dabei.

Bei ihnen gilt der Satz, so Vogelmann: „Wenn du es in Köln schaffst, dann schaffst du es überall.“ Kai Vogelmanns Kollege aus Bayern betrachtet darum seinen Einsatz in Köln auch als Probelauf für den Papstbesuch im Herbst. Denn auch dort werden Menschenmassen erwartet.

Kai Vogelmann hat sehr zum Bedauern seiner drei Töchter noch nie in Münster Karneval gefeiert, dafür ist er ehrenamtlich von Samstag bis Montag mit vielen Helfern des Malteser Hilfsdienstes, der Johanniter Unfallhilfe, des Deutschen Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes am Rhein unterwegs. Allein am Sonntag und Montag, sagt Vogelmann, seien etwa 850 Helfer im Einsatz.

Ein Zuckerschlecken ist der Job nicht. Vogelmann muss gut zu Fuß sein. Sein Karnevalseinsatz startet früh morgens und endet abends. Geschlafen wird mit 100 Helfern in einer Turnhalle. Wenn dann noch jemand schnarcht wie beim letzten Mal die Helfer aus Irland . . . Die Ehefrauen der Kölner Kollegen versorgen die Gäste mit Frühstück, Würstchen, Kartoffelsalat.

In diesem Jahr unterstützen Sanitäter aus Paris und Krakau die Helferrunde. Kai Vogelmann ist überall unterwegs, gibt als Pressesprecher „Wasserstandsmeldungen“ heraus. Er macht Fotos. Patientenrettung geht aber vor, sagt der 45-Jährige.

Aber irgendwann ist auch mal Feierabend. Dann treffen sich die Helfer bei Marie, eine Kneipe an der Köln-Arena. Und wenn schon Karneval, dann richtig. Für die Freizeit nach dem Dienst legt Kai Vogelmann die rote Nase ab, pellt sich aus der offiziellen MHD-Dienstkleidung und schlüpft dieses Mal in eine kesse, himmelblau und rotkarierte Hose, in sein grün-weiß tailliertes Hemd mit langem Spitzenkragen. Die Johnny-Flash-Krawatte mit rot-gelben Sternen ist die Krönung. Der 45-Jährige zögert aber noch, ob er zum grünen Sakko mit goldenen Knöpfen oder zum roten Glitzersakko greifen soll?

Nur sein Bischofskostüm wird er nicht mehr mitnehmen, sagt Vogelmann. Als er mit einem Kollegen so in der Turnhalle erschien, fielen die Kollegen aus Polen vor ihnen immer wieder auf die Knie.

Das Cowboykostüm von vor zwei Jahren bleibt ebenfalls daheim, denn danach hatte Kai Vogelmann „Rücken“. Jetzt probt er als Rockstar.

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