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Im Epizentrum der Krise – Jürgen Rüttgers bereist die USA

Wilfried Goebels

Washington/Detroit - Der vierte US-Besuch des Atlantikers Jürgen Rüttgers seit Amtsantritt steht unter dem Eindruck des weltweiten Finanzdesasters. Die Krise hat die „Marke Amerika“ beschädigt – im Epizentrum des Bebens sucht Rüttgers erste Antworten auf die Frage, welche Schritte der 44. US-Präsident Barack Obama gegen das verheerende Finanzchaos einleitet.

Sechs Tage bereist Rüttgers die Metropolen Washington, Detroit, Boston und New York. Im letzten Jahr hatte Rüttgers an der Wall Street noch mitleidige Blicke für die Warnung vor dem ungezügelten Treiben großer Finanzfonds geerntet, seitdem hat sich die Welt radikal verändert. Börsenkurse, Umsätze und Aufträge der Unternehmen sind gewaltig abgestürzt.

Der legendäre Optimismus der Supermacht hat einen schweren Schlag erlitten. Der Gigant taumelt – Amerika schnallt den Gürtel enger. Gerade noch lebten viele US-Bürger unbesorgt auf Pump mit zwölf Kreditkarten, jetzt steigt in der Krise die Sparquote.

Weil die USA mit Importen von 9,3 Milliarden Euro der größte Käufer von NRW-Waren außerhalb der EU sind, fürchtet Rüttgers um die Absätze in der Neuen Welt. Die unüberhörbaren „Buy American!“-Kampagnen, heben nicht gerade die Laune deutscher Firmenchefs. Der deutsche Export in die USA zeigt kräftige Bremsspuren.

In der alten Auto-Hochburg Detroit will Rüttgers die Top-Manager von Ford und General Motors davon überzeugen, dass an den Standorten Köln und Bochum die modernsten, sparsamsten und umweltschonendsten Autos im Konzern produziert werden. Ford Köln beschäftigt 17 000 Mitarbeiter, Opel 5000 – dazu kommen mehrere 10 000 Beschäftigte in NRW-Zulieferfirmen. In Detroit will Rüttgers mit General- Motors-Boss Rick Wagoner über den Bau des ersten Elektro-Serienautos „Ampera“ in Bochum reden: Baubeginn Ende 2010.

Vier Wochen nach dem US-Regierungswechsel trifft der Christdemokrat Rüttgers auf führende Vertreter der Obama-Administration. Für ein persönliches Treffen mit dem Merkel-Parteistellvertreter in der 1600 Pennsylvania Avenue („Weißes Haus“) hat der Präsident in diesen aufregenden Tagen keine Zeit. Gerade erst hat der US-Präsident das mit 787 Milliarden Dollar größte Konjunkturpaket aller Zeiten aufgelegt, um die Immobilien-, Banken- und Wirtschaftskrise zu lindern. Rüttgers, dessen Strategen zuletzt häufig rhetorische Anleihen beim Erfolgsmodell Obama nehmen, trifft John Podesta, den Chef von Obamas „Übergangsbüro“ vor der Präsidentschaft. Der NRW-Regierungschef erhofft sich Hinweise aus erster Hand über den Umgang mit der Rezession.

Beim Klimaschutz und Energiesparen schaltet Obama nach den Sünden der Bush-Regierung kräftig um und investiert jährlich 15 Milliarden Dollar in Öko. Rüttgers will Türen öffnen: NRW-Firmen sind weltweit Marktführer bei grünen Technologien wie der Wind- und Solarenergie. Bis 2012 sollen in New York alle Taxen auf Hybrid-Motoren umgestellt werden: Die USA werden grüner – da wollen deutsche Autobauer mitmischen.

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