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Immer hinterher

Michael Schulte

Wir Journalisten hatten das Vergnügen, von Frankfurt nach Johannesburg gemeinsam mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur WM nach Südafrika zu fliegen. Im nagelneuen Airbus 380. Aber, ehrlich gesagt, so richtig haben wir das nicht gemerkt. Die DFB-Truppe saß oben im Flieger, wir unten. Gesehen haben wir niemanden.

Etwas anders war das bei unserem Flug zum ersten Spiel der Deutschen nach Durban. Wir sind zwar nicht gemeinsam geflogen, aber wir haben sie gesehen. Später. Die Mannschaft reist grundsätzlich einen Tag vor dem Spiel an, wir machen das direkt am Spieltag. 4 Uhr aufstehen, fünf Uhr geht der Bus von Pretoria nach Johannesburg. Der Abflug erfolgt um 7.35 Uhr, die Landung eine Stunde später.

In Durban mussten wir die Zeit bis zum Abend (das Spiel beginnt um 20.30 Uhr) überbrücken - wir schreiben unsere Berichte. Abends geht es ins Stadion, und wir staunen nicht schlecht, als wir den deutschen Bus vorfahren sehen. Wir sehen sie alle aussteigen, Löw, Podolski und alle anderen. Aber sie sehen uns nicht, weil sie schon an das Spiel denken. Kein Problem.

Nach der Partie gehen einige von uns zur Pressekonferenz und sprechen mit dem Bundestrainer und dem besten Spieler, also mit Löw und Podolski. Andere sind in der Mixed Zone, da können die anderen Spieler angesprochen werden. Was nicht jeder mitmacht, weil er schon ans nächste Spiel denkt.

Wir warten, bis das Spektakel vorüber ist, sehen die Mannschaft in den Bus steigen. Die Spieler sehen uns nicht, weil sie den iPod oder das iPhone im bzw. am Ohr haben. Nur Joachim Löw winkt uns zu. Dieses Mal nicht mehr im blauen Sweater unter dem Anzug, sondern im weißen Hemd. Wahrscheinlich hat er geduscht.

Der DFB-Tross wird zum Flughafen gebracht und fliegt sofort von Durban nach Pretoria. Auch wir steigen in unseren Bus, müssen aber noch zwei Stunden auf den Abflug warten. Der geht nach Johannesburg - in Pretoria dürfen wir nicht landen. Von „Jo-burg“ müssen wir noch eine Stunde mit dem Bus fahren. Um halb fünf sind wir im Hotel, kurz danach im Bett. Zu dieser Zeit schlummern die Kicker schon längst, aber sie müssen ja auch bald wieder spielen. Heute nämlich. In Port Elizabeth.

Dann geht alles wieder von vorne los. Wir müssen um 4 Uhr aufstehen. Da schlummern die deutschen Spieler noch. Aber sie müssen ja auch spielen.

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