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Sparen im Alltag

Immer wieder bittere Pillen

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Die Gesundheit ist uns lieb und teuer. So teuer, dass dafür im Jahr 2005 in Deutschland über 239 Milliarden Euro ausgegeben wurden – unterm Strich mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts. Eine enorme Summe, der allerdings auch eine Versorgung auf hohem Niveau gegenübersteht. Internationale Vergleiche bestätigen nach wie vor die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems.

Doch bekanntlich gibt es an beinahe allen Stellen Umbrüche, die nicht nur Kassen, Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker oder Pharmahersteller betreffen und dort immer wieder Proteste und Klagen auslösen. Die Folgen der vor gut einem Jahr in Gang gesetzten Gesundheitsreform spüren ebenso Patienten und Versicherte.

Ein häufig gehörter Eindruck und gleichzeitig wohl Ausdruck allgemeiner Ratlosigkeit: „Wir werden immer schlechter behandelt, müssen aber immer mehr dafür bezahlen.“ Tatsächlich gibt es viele bittere Pillen wie Praxisgebühr und Zuzahlungen, die Patienten in den vergangenen Jahren schlucken mussten. Und kaum jemand kann zurzeit absehen, welche Folgen eine Einführung des Gesundheitsfonds (ohne Einbeziehung der privaten Krankenversicherungen) und die von der Politik anvisierte Festlegung eines erhöhten, aber wiederum einheitlichen Beitragssatzes zum 1. Januar 2009 bringen wird. „Die Lage ist völlig unbesichtlich geworden“, gestehen selbst Ärzte-Funktionäre.

Aber wo kann der Einzelne in dieser Phase des Umbruchs bei seinen Ausgaben für die Gesundheit sparen?

• Stichwort Wahlfreiheit: Versicherte können im Dickicht der Anbieter (es gibt rund 300 gesetzliche und private Krankenversicherungen) die Kasse auswählen, die am ehesten ihren Vorstellungen von Kosten und Leistungen entspricht. Bei der Auswahl sollte man sich die möglichen Wahltarife anschauen, denn dort liegen Sparpotenziale. Mitglieder einer Kassen können hier bei Beitragshöhe und Leistungsumfang Vorteile nutzen. Aber Achtung: Sie binden sich dann auch für drei Jahre unwiderruflich an diesen Tarif und ebenso an die Kasse. Also: Wer viel fragt und gründlich vergleicht, kann am Ende einiges sparen. Die Wahltarife bleiben nach heutigen Stand auch bei der Einführung des Gesundheitsfonds erhalten.

• Stichwort Kassenwechsel: Ganz beliebig geht dies nicht, denn nach den Vorgaben kann man die Kasse erst dann verlassen, wenn man ihr 18 Monate angehört hat. Ein an bestimmte Fristen gebundenes Sonderkündigungsrecht gibt es allerdings dann, wenn eine Kasse den Beitrag erhöht hat. Hier lohnt es sich übrigens, den Lohnzettel im Auge zu behalten und den Kassenbeitrag monatlich zu vergleichen. Denn Krankenkassen müssen ihre Erhöhung nicht an die große Glocke hängen. Das Sonderrecht zur Kündigung wiederum gilt nur knapp zwei Monate. Wer sich erst danach bei der Kasse meldet, hat den Zeitpunkt verpasst.

• Stichwort Zusatzleistungen: Auch hier kann man unter Umständen Geld sparen, wenn man sich speziellen Versorgungsangeboten anschließt. Eine genaue Prüfung ist allerdings unverzichtbar, denn auf diesem Gebiet gibt es Mogelpackungen, die falsche Hoffnungen wecken. Beispiel Versicherung für den Zahnerhalt: Da Erhalt nicht Ersatz ist, kann ein Angebot dann enden, wenn die teure Krone oder Brücke fällig wird.

• Stichwort Basistarif: Er soll ab 2009 den bisher von wenigen genutzten „Standardtarif“ in der privaten Krankenversicherung ablösen, ohne dass sich am Leistungsumfang etwas ändert. Vorteil für die Versicherten, die ohne Gesundheitscheck beitreten können: Sie könnten dann bei einem Versicherungswechsel die Alterungsrückstellungen mitnehmen.

Insgesamt überlagert die Debatte alle Planungen. Denn niemand kann vorhersagen, ob „seine“ Kasse am Ende zu denen gehört, die Zusatzbeiträge kassieren müssen.

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