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In „72 Stunden“ zum Karnickel-Glück

Anke Beiing

Telgte - Besser können Kaninchen gar nicht wohnen. Ein schnöder Stall, aus ein paar Brettern und Draht zusammengenagelt, war gestern. Ab sofort residieren die puscheligen Gefährten der Bewohner des Von-Galen-Hauses am Telgter St.-Rochus-Hospital in einem Nagerparadies der Luxusklasse, Freigehege inklusive. Der 72-Stunden-Aktion sei Dank.

Gut 40 Jugendliche aus dem Ortsteil Westbevern haben sich von Donnerstag bis gestern damit beschäftigt, die Außenanlagen rund um den neuen Wohnbereich der psychiatrischen Klinik zu verschönern.

Als ihre Projektpaten Felix Graf von Plettenberg und Christoph Karrengarn ihnen anfangs die Aufgabe gestellt hatten, gab es zunächst lange Gesichter. „Wir wollten eigentlich ein Projekt in Westbevern“, sagt Markus Breuer von der Messdienerleitergruppe. Dennoch machten sich die Messdiener mit der Landjugend (KLJB) und dem Ferienlagerteam ans Werk.

Neben dem Kaninchenstall sollten die Jugendlichen einige Hochbeete bauen, zwei Hollywoodschaukeln montieren, eine Kräuterspirale anlegen und Brombeersträucher pflanzen. Den größten Teil des Materials mussten sie selbst organisieren. Einige Gärtnereien spendeten Pflanzen, und die Telgter Kaufmannschaft half mit Geldspenden für Bauholz aus.

„Wir wollen etwas bewegen“, sagt KLJB-Vorsitzender Daniel Kimmina. „Und wir möchten, dass das auch wahrgenommen wird.“ Die Westbeverner engagieren sich seit Jahren bei der 72-Stunden-Aktion. Ihre Motivation ist die Gemeinschaft. Die drei Gruppen, die an der Aktion beteiligt sind, hätten sonst nicht viel miteinander zu tun, erklärt Kimmina.

Ähnlich wie den Westbevernern ging es rund 15.000 Jugendlichen im Bistum Münster. Aufgeteilt in 360 Gruppen hatten sie sich ehrenamtlich für soziale oder ökologische Projekte eingesetzt. Hämmern, Sägen, Schrauben und Graben waren ihre Hauptbeschäftigungen. Sie realisierten Projekte, die auf normalen Wege nicht bezahlbar gewesen wären. Allein aus der Westbeverner Gruppe hat jeder etwa 25 bis 30 Stunden gearbeitet - und damit geholfen, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Einige Gruppen hatten offenbar Schwierigkeiten damit, sich selbst während der vergangenen drei Tage zu versorgen. Über die Internetseite des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, die die Aktion ausrichtet, versuchten viele, Spender für Getränke und Verpflegung zu finden. Damit hatten die Westbeverner keine Probleme: Die Bewohner des Von-Galen-Hauses versorgten sie über alle drei Tage stets mit selbst gebackenem, ofenfrischem Kuchen.

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