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„In der Euro-Krise liegt das Schlimmste noch vor uns“

Jürgen Stilling

Münster - Premiere im Bistum Münster: Erstmals hatte Bischof Dr. Felix Genn gestern Abend zum Unternehmertreffen nach Münster geladen. Die Idee traf auf große Resonanz, über 300 Gäste kamen.

Zu hören gab es allerdings nicht nur Erfreuliches: „In der Euro-Krise liegt das Schlimmste noch vor uns“, mahnte Dr. Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW-Bankengruppe (Frankfurt). Zwar habe sich die Konjunktur in Deutschland überraschend erfreulich entwickelt. „Doch wir stecken nach wie vor in der schwersten Finanzkrise seit dem zweiten Weltkrieg“, betonte Schröder.

Für die Bankenkrise machte der KfW-Chef vor allem die Vernachlässigung von Kreditrisiken in den Geldhäusern verantwortlich. Schröder kritisierte, dass viele Banker auch jetzt noch nicht die Größe hätten, die unübersehbaren Fehler einzugestehen. Folge sei, dass bis heute das gegenseitige Vertrauen im Bankensektor fehle. Dadurch könne die Versorgung des Mittelstands mit langfristigen Krediten erschwert werden.

Um die Risiken an den Finanzmärkten zu begrenzen, forderte Prof. Dr. Bernhard Emunds, Direktor des Oswald-von-Nell-Breuning-Instituts in Frankfurt, für alle Geldinstitute sehr strenge Kapitalmarktvorschriften und die Isolierung der Geschäftsbanken von Vermögenswerten mit gegebenenfalls stark schwankenden Preisen.

Emunds beklagte, dass in der Finanzbranche hohe Einkommen ohne Wertschöpfung möglich gewesen seien. Damit habe die Branche gegen sozialethische Maßstäbe verstoßen. „Nur Einkommen durch Wertschöpfung gehört zur normativen Geschäftsgrundlage aller privatwirtschaftlichen Unternehmen“, hob der Professor hervor. Auf diese Weise werde dann auch das Gemeinwohl gefördert.

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