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Filmrezensionen

„In ihren Augen“: Mord, Liebe, Politik

wn

Als diesjähriger Oscar-Sieger der Kategorie Bester fremdsprachiger Film führt das Polit-Thriller-Drama „In ihren Augen“ durch 30 Jahre argentinische Geschichte und verbindet einen Mordfall mit einer Liebesgeschichte und der politischen Entwicklung des Landes.

Der Beamte Esposito (Ricardo Darin) untersucht 1974 Vergewaltigung und Mord an einer jungen Frau und hat den Mörder bereits im Visier. In den Anfangsszenen geht es um Espositos Beziehung zu Kollegen und der verheirateten Vorgesetzten Irene (Soledad Villamil).

Nach dem ersten Drittel setzt eine sensationelle minutenlange computerunterstützte Einstellung, die über einem Fußballstadion beginnt und unter den Zuschauern endet, für die entscheidende Zäsur. Denn es geht weniger um die Aufklärung des Mordes, als um die Auswirkungen der Militärdiktatur und die Liebe, die Esposito an seine Chefin und den Mann des Opfers an seine ermordete Frau bindet.

Derart miteinander vernetzt, läuft das in verschiedenen Genres klug mäandernde, komplexe Drama als spannende argentinische Zeitreise ab. Der Titel (im Original: Das Geheimnis ihrer Augen) ist so mehrdeutig, wie die jeweiligen Blickwinkel, aus denen erzählt wird.

So weiß Esposito den Blick Irenes, die als gesellschaftlich Höherstehende für ihn unerreichbar ist, nicht zu deuten. Sehenswert.

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