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USC Münster

In Mini-Schritten vorwärts

Wilfried Sprenger

Münster - Andrea Berg muss eine starke Frau sein. Seit 16 Monaten nun schon arbeitet die große Blonde aus den Reihen des Frauenvolleyball-Bundesligisten USC Münster an ihrem Comeback. Es ist eine Marter, besonders für den Kopf. Auch weil ihr niemand wirklich sagen kann, dass die Leidensgeschichte irgendwann ein Ende hat. Ein gutes, versteht sich. Die 28-Jährige hofft darauf. Zurzeit spürt sie, dass es vorangeht. In Minischritten, wie sie sagt. „Aber das ist doch viel besser als gar nicht.“

Als es am 23. September 2008 während eines Testspiels in den Niederlanden im linken Knie Bergs knallte und Innenband und Kreuzband schwer beschädigt wurden, war schnell klar, dass die Spielführerin so schnell nicht aufs Feld zurückkommen würde. Alsbald blühten die Spekulationen: sie bewegten sich zwischen sechs und acht Monaten Pause. 16 hat niemand prophezeit. Aber auch das wäre ja nicht richtig gewesen. Vielleicht werden es 24. „Dass ich in dieser Saison noch spiele, ist eher unwahrscheinlich“, weiß Berg. Illusionen macht sie sich schon lange nicht mehr.

Aber Hoffnungen. Dieser Dienstag im September 2008 soll nicht ihr letzter Tag im USC-Trikot gewesen sein. Streng genommen hat sich das auch schon erledigt. Doch der Aufschlag, den sie im letzten Punktspiel der Saison 2008/09 am Berg Fidel servierte, war nichts anderes als ein symbolischer Akt. Alle sollten sehen, dass es die „Berg­sche“ noch gibt. Das ist nun auch schon wieder acht Monate her.

Viel Zeit für Andrea Berg darüber nachzudenken, was wird, wenn es nichts mehr wird mit Volleyball. „Klar, gab es Gedanken in diese Richtung“, bestätigt sie. Besonders im Frühsommer während der Reha auf Schalke. 40 Stunden in der Woche hielt sie sich dort auf. Im Glauben, wieder richtig auf die Beine zu kommen. „Die Betreuung war gut dort, alle haben sich bemüht“, sagt die Spielerin rückblickend. Nicht gut waren die Ergebnisse. „Irgendetwas ist nicht richtig gelaufen. Manchmal habe ich mich überlastet gefühlt“, erzählt Berg.

Die Maßnahmen auf Schalke wurden beendet, als die Berufsgenossenschaft die Finanzierung einstellte. Das war im August. Und vielleicht der Wendepunkt in der langen Krankengeschichte der Ex-Nationalspielerin. Auf Rat von Beachvolleyball-Profi Rieke Brink-Abeler wandte sich Berg jedenfalls noch im gleichen Monat an einen Physiotherapeuten in Paderborn. „Seitdem“, so sagt sie, „geht es mir besser.“

Noch hat Andrea Berg den Glauben an ein Comeback nicht verloren. „Positive Signale“ des Therapeuten und die Nähe zur Mannschaft geben ihr Kraft. Seit geraumer Zeit bereits ist sie wieder täglich im Training. Große Sprünge kann sie noch nicht machen. „Aber wenigstens ein bisschen hüpfen, natürlich sehr kontrolliert.“

Manchmal schleichen sich trotzdem Bedenken in die Gedanken. Lohnt sich der Aufwand, die ganze Quälerei? Im Mai, wenn die laufende Saison endet, will Berg die Frage beantworten. „Ich habe mir geschworen, alles zu tun, um zurückzukommen. Aber natürlich ist diese Phase endlich. Im Mai, so habe ich für mich entschieden, muss ein deutlicher Fortschritt sichtbar sein“, stellt die Spielerin klar.

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