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In Saudi-Arabien Detektiv spielen

Hans Gerhold

Wer pünktlich kommt, kann im Vorspann von „Operation: Kingdom“ einen Crashkurs in saudi-arabischer Geschichte seit 1932 unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zu den USA und der Bedeutung von Öl erleben. Was folgt, ist eine reizvolle Mischung aus mühsamer geduldiger Ermittlerarbeit, interessanter Kulturkonfliktstudie und im letzten Drittel knallharter Action wie in Ridley Scotts Kriegsfilmmeisterwerk „Black Hawk Down“.

Bei einem Anschlag auf eine internationale Wohnanlage in Riad kommen über 100 Zivilisten ums Leben, darunter der beste Freund von FBI-Mann Ronald Fleury (Oscarpreisträger Jamie Foxx). Fleury gelingt es, trotz der angespannten Weltlage und gegen den Widerstand des Außenministeriums, mit einer kleinen Spezialeinheit nach Riad geflogen zu werden, um die Arbeit der örtlichen Ermittler zu unterstützen.

Dort, in einem Gemengelage von Partikularinteressen, politischer Vorsicht, Rücksichtnahmen und Rivalitäten zwischen der Polizei und den arabischen Militärs, stolpern Fleury, Ärztin Janet Mayes (Jennifer Garner), Spurensicherer Grant Sykes (Chris Cooper) und Kommunikationsexperte Adam Leavit (Jason Bateman) mitten in einen Kulturkonflikt, der damit Beginnt, wie man sich in der Öffentlichkeit kleidet (Jennifers Brüste bedecken) und mit ihrer Obduktion von Toten (sie darf als Frau keinen Moslem berühren) noch lange nicht endet.

In diesen Sequenzen entfaltet der von Michael Mann („Heat“) produzierte Film seine Qualitäten, geht ruhig und gelassen vor, zeigt Profis bei der Arbeit und beobachtet all die Details, aus denen Schlüsse auf die (in diesem Fall: arabischen) Hintermänner des Attentats gezogen werden. Die berufliche Wertschätzung führt zur Freundschaft mit Colonel Faris Al Ghazi (Ashraf Barhoum, „Syriana“), der sich gegen die Armee durchsetzt.

Als Adam entführt wird, eskaliert die Situation, eine Verfolgungsjagd mündet in eine der längsten Action-Sequenzen der letzten Zeit. Bei aller Souveränität der Inszenierung von Peter Berg („Die Wutprobe“), von Kamera und Montage ist „The Kingdom“ (Originaltitel) ein merkwürdiger Film. Einerseits bietet er einen gekonnten Politthriller vor brisantem Hintergrund, andererseits hat er eine fatalistische Weltsicht. So sind Rachegedanken bei den Amerikanern im Spiel, und das Finale beharrt eindeutig und transnational auf dem Gedanken, dass Gewalt immer neue Gewalt und Gegengewalt erzeugt und die Spirale auch in der jungen und jüngsten Generation nicht unterbrochen wird. Kein Film für Grübler, sondern für Freunde unterhaltsamer Politfiktionen.

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