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MV Namensforscher

In Wolters steckt der Rufname Walter

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MV-Leser Gerrit Wolters aus Rheine glaubt, dass „Wolters“ zum Namen „Wolter“ gehört, welcher früher der Begriff für einen Untergebenen/Knappen/freien Bediensteten eines Dienstherren gewesen sein soll.

Mit rund 12000 Namensträgern gehört Wolters zu den sehr häufigen Familiennamen in Deutschland. Auch in den Niederlanden ist Wolters mit rund 10000 Personen sehr verbreitet, vor allem in den ursprünglich niederdeutschsprachigen Provinzen im Osten des Landes.

In Deutschland findet sich der Name überwiegend im Nordwesten, besonders dicht ist Wolters am Niederrhein in den Kreisen Viersen, Heinsberg und Kleve konzentriert.

Wolters ist einer der zahllosen niederdeutschen/niederländischen Nachnamen in der sprachlichen Form des Genitivs, die Bedeutung ist „Sohn von Wolter“. Es handelt sich also um einen patronymischen, auf den Namen des Vaters bezogenen Familiennamen. Wolter ist eine niederdeutsche Variante des Rufnamens Walter.

Die Form mit -ol- statt -al- erklärt sich aus einem Lautwandel, der im Mittelniederdeutschen jeden Vokal a zu o werden ließ, wenn hinter dem Vokal die Konsonanten ld oder lt folgten. So wurde ald zu old „alt“, Wald zu Wold „Wald“, Salt zu Solt „Salz“, malt zu molt „Malter (Getreidemaß)“, kalt zu kolt „kalt“, balt zu bolt „kühn“, halden zu holden „halten“ usw. Der gleiche Lautwandel ald/alt zu old/olt wurde auch im Friesischen, im Niederländischen und im Englischen durchgeführt, wobei im Englischen die alte Schreibung mit -al- beibehalten wurde (englisch Walter: gesprochen Wolter). So wurde der Rufname Walter ganz regulär zu Wolter.

Im Niederländischen ging die Lautentwicklung noch einen Schritt weiter, hier wurde -old- zu -oud-: oud „alt“, woud „Wald“, zout „Salz“ und ganz entsprechend Wolter zu Wouter, älter auch Wauter geschrieben. Wouters und Wauters, die echt niederländischen Entsprechungen von Wolters, werden im Nachbarland von rund 9000 bzw. 150 Personen getragen.

Einige frühe Belege des Rufnamens in niederdeutscher Form sind: 1270 „Wolter Buc“ (Rostock), 1271 „Wolter Dicgreve“ (Hamburg), 1272 „Wolther van Nette“ und 1317 „Wolder Esseken“ (beide in Hildesheim), 1339 „Wolter Vretekost“ (Braunschweig), 1377 „Wolter van Lette“ (Coesfeld), 1387 „Wolter de Mesmeker“ (Münster).

Die alte und teilweise auch heute noch verwendete Schreibung Walther deutet seine ursprüngliche Form an. Der Rufname ist aus den Namenwörtern „wald“ (Herrschaft, Gewalt) und „hêr“ (Heer) zusammengesetzt. Walther war seit dem frühen Mittelalter ein sehr beliebter Ruf- und Taufname. Diese Popularität ist an der Häufigkeit der heutigen Familiennamen abzulesen, die auf Walter zurückgehen, wobei die der Standardform des Vornamens entsprechende Form Walter mit über 100000 Namensträgern die häufigste ist. Die niederdeutsche Form Wolter wird immerhin von 30000 Personen getragen, die Schreibweise Walther von 40000. Bei einem großen Teil der heute im niederdeutschen Gebiet ansässigen Familien Walter ist wahrscheinlich die ursprüngliche Namensform Wolter durch hochdeutsch Walter ersetzt worden.

Winfried Breidbach

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