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Filmrezensionen

„Inception“: Matrix Re-Reloaded

Hans Gerhold

Elf Jahre nach „Matrix“ tritt Christopher Nolans visuell brillanter futuristischer Actionthriller „Inception“ den Beweis an, dass Filme die entscheidenden Medien der Gegenwart und Zukunft sind. Hier wird visionär in Bildern gedacht.

Die Geschichte um Traumspion Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), ist eine im Wesentlichen auf pure Bildkraft setzende, höchst intelligente Auseinandersetzung mit dem Unterbewusstsein, mit Erinnerungen und Träumen, Schuld, Existenz und Erlösung - ein philosophischer Komplex erster Güte: Matrix Re-Reloaded.

Mit einem Team aus Spezialisten überfällt Cobb keine Banken, sondern zapft zwecks Industriespionage das Unterbewusste der Opfer während deren geschickt herbeigeführten Traumzuständen an. Sein Auftrag, den japanischen Industriellen Sato (Ken Watanabe, „Letters from Iwo Jima“) auszuspionieren, stellt sich als Fehlschlag beziehungsweise Test heraus. Denn Sato engagiert Cobb und seine Leute nun, um dem Konzernerben Fischer (Cillian Murphy) die Idee einzupflanzen (daher der Titel), sein Imperium aufzuteilen. Sato geht als „Tourist“ selbst mit auf die Reise in die drei Ebenen des Bewusstseins, die es zu knacken gilt.

Soweit die Handlungsebene von „Inception“, die - als Thriller mit einer „Mission Impossible“ - das Team in unerwartete Schwierigkeiten bringt. Sato, Cobb, seine rechte Hand Arthur (Joseph Gordon-Levitt), der Shapeshifter (Tom Hardy), Pharmakologe Yusuf (Dileep Rao) und Traumwelt-Designerin Ariadne (Ellen Page, „Juno“, überzeugt nicht ganz als kindliche Architektin) stoßen bei der Odyssee ins Unterbewusste auf Widerstand in Gestalt von materialisierten Projektionen Fischers, die als dessen Bodyguards für Action-Szenen sorgen.

Kompliziert wird es, als Cobbs verstorbene Ehefrau Mal (Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard, „La vie en rose“) maliziös in die Mission eingreift. Sie strapaziert Cobb, der sie nicht vergessen kann: In den vier Ebenen der Psyche dieses grandiosen Irrgartens geht es jetzt mörderisch zu. Die Szenen zwischen Di Caprio und Cotillard, die ihre Rollen virtuos bewältigen, sind von großer emotionaler Wucht.

Christopher Nolan hat „Inception“ nach eigenem Drehbuch in einer tour de force inszeniert, die Orson Welles („Citizen Kane“, „Der Prozess“), James Bond (die Brosnan-Filme), Jason Bourne, „Matrix“ und „Ocean´s 11“ mit griechischer Mythologie, Traumdeutungen sowie Escher Treppen-Kunst bis Magrittes leere Stadtlandschaften mühelos in eine innovative Ästhetik überführt. Genialer Gehirn-Thriller. Herausragend.

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