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Investition ins Solargeschäft - Furcht vor finanziellem Fiasko

Frank Klausmeyer

Westerkappeln - Manche sprechen im Zusammenhang mit der Photovoltaik und den garantierten Einspeisevergütungen von gut geölten Gelddruckmaschinen. Torsten Kreyenhagen und Günter Kuhl aus Westerbeck haben zumindest auf ordentliche Renditen gehofft. Doch nun droht ihr Investment ins Solargeschäft als finanzielles Fiasko zu enden. Sie fühlen sich vom Lieferanten über den Tisch gezogen.

Dabei hatte sich alles so schön angehört. Im vergangenen Jahr saß Torsten Kreyenhagen mit einem Vermögensberater zusammen, der mittlerweile Geschäftsführer der Re.Con UG (Bramsche) ist, die - nach vollmundigem Versprechen auf der Homepage - „richtige Wahl, wenn es um Photovoltaik geht !“. Dabei kam das Gespräch auch auf Solaranlagen.

Kreyenhagen betreibt auf dem Hauptgebäude des Hofes seines Schwiegervaters bereits eine 5-Kilowatt-Anlage. Mit dem Bramscher Geschäftsmann wurde er handelseinig über die Lieferung und Montage einer 17-Kilowatt-Anlage für das Dach eines Geräteschoppens. „Ich war praktisch der erste Kunde von Re.Con“, erzählt der 36-jährige Familienvater. Rund 60 000 Euro haben die Kreyenhagens investiert. Das Geschäft lief über Vorkasse. „Da waren wir vielleicht zu dumm“, sagt er heute.

Kurz nach der Montage am 25. März begann der Ärger. Denn es fiel auf, dass die Dünnschicht-Module - 224 an der Zahl - auf dem Wellblechdach des Schuppens zu eng aneinander liegen und reißen könnten. „Spätestens wenn Schnee fällt“, befürchtet der gelernte Tischler. Selbst dem Laien fällt mit bloßem Auge die mangelhafte Installation auf.

„Das muss alles runter und neu verlegt werden“, sagt Kreyenhagen. Nicht zuletzt, weil das Dach bei der Montage demoliert worden sei. An diversen Stellen ist das Wellblech eingedrückt und löchrig. Das mit der Montage von Re.Con beauftragte Bedachungsunternehmen aus Osnabrück weist jede Schuld von sich. Die Löcher seien schon vorher dagewesen, sagt der Inhaber auf Anfrage, gibt sich sonst aber zugeknöpft in der Angelegenheit.

Kreyenhagen will ein neues Dach. Einen Kostenvoranschlag hat er schon eingeholt. Dazu käme einiges Geld für die Demontage und den Neuaufbau der Solaranlage. Alles in allem würde die Beseitigung der Schäden 24 000 Euro kosten, sagt er. Immerhin: Strom wird seit dem 28. April eingespeist. „Die Wirtschaftlichkeitsberechnung passt aber von vorne bis hinten nicht“, klagt Kreyenhagen.

Auch Nachbar Günter Kuhl sieht ein „mittelschweres, finanzielles Drama“ auf sich zukommen. Er hat bei Re.Con eine 25-Kilowatt-Anlage bestellt. 78 000 Euro musste er bezahlen - ebenfalls Vorkasse. Seine Anlage laufe seit Inbetriebnahme am 21. April nur zu 20 Prozent. Einer von fünf Wechselrichtern habe von Anfang an nicht funktioniert. Dann gaben die Wechselrichter Nummer 2, 3 und 4 den Geist auf. Grob geschätzt 5000 bis 6000 Euro Einspeisevergütung seien ihm bis jetzt durch die Lappen gegangen. Rund 10 000 Euro müsse er für neue Wechselrichter bezahlen.

Re.Con vertröste immer nur, tue aber letztlich nichts. Die beiden Westerbecker fühlen sich vom Geschäftsführer arglistig getäuscht und überlegen, Strafanzeige zu stellen.

Der Streit liegt mittlerweile bei den Anwälten. Christine Pohl, die Kreyenhagen, Kuhl und einen weiteren Re.Con-Kunden vertritt, pocht für ihre Mandanten auf Schadensersatz. „Die Anlagen sind mangelhaft“, stellt sie fest. Fraglich ist für die Westerkappelner Rechtsanwältin allerdings, ob eine Haftungsklage Aussicht auf Erfolg hat. Denn bei Re.Con handelt es sich um eine sogenannte Unternehmensgesellschaft (UG), die im April dieses Jahres mit gerade 300 Euro Haftungsanlage ins Handelsregister eingetragen worden ist.

Der Re.Con-Chef ist für die Zeitung nur über seinen Osnabrücker Anwalt Jörg Haferkorn zu sprechen. „Wir sind mit den Betroffenen im Gespräch“, lässt er wissen. „Es ist klar, dass da Einiges nicht optimal gelaufen ist.“ Nun gelte es zu prüfen, welche Schadensursachen und welche Lösungsmöglichkeiten es gebe.

Lässt diese vage Erklärung Kreyenhagen und Kuhl vielleicht noch hoffen, wird Haferkorns zweite Stellungnahme für Ernüchterung sorgen: Kreyenhagens Dach sei relativ alt und schon vor der Installation der Anlage „nicht in optimalem Zustand gewesen“, behauptet der Rechtsanwalt. Kleinigkeiten könnten bei der Montage durchaus passiert sein, die sich aber „ausreichend beheben“ ließen. „Wenn er diese Lösung nicht annimmt, kann ich ihm auch nicht helfen“, sagt Haferkorn. Und im Fall Kuhl werde man dem Lieferanten der Wechselrichter - die Firma Solartechnics aus Osnabrück - „Druck machen“.

Rechtsanwältin Pohl hat über ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren für ihre Mandanten nachgedacht. Doch das kostet Zeit und Geld. „Es stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Als Anwältin muss ich schauen, wie sich der Schaden in Grenzen hält.“ Kreyenhagen hat jetzt privat ein Gutachten in Auftrag gegeben. Durch eine Zwischenbericht sieht er sich bestätigt.

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