1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. „Invictus“: Wenn Sport verbindet

  6. >

Filmrezensionen

„Invictus“: Wenn Sport verbindet

Hans Gerhold

Als Nelson Mandela 1994 sein Amt als Präsident von Südafrika antrat, war seine Entourage konsterniert darüber, dass er nach dem Ende der Apartheid schwarze und weiße Leibwächter einstellte. Das ist eine der Schlüsselszenen aus Clint Eastwoods schnörkellos wie immer inszeniertem Sportdrama mit Polithintergrund, auf das er durch Oscar-Preisträger Morgan Freeman („Million Dollar Baby“) gestoßen wurde.

Freeman hat sich Nelson Mandelas Stimme und Gang verblüffend angeeignet und gibt den Friedensnobelpreisträger mit entwaffnendem Charme, Würde und politischer Entschlossenheit. Dieser Mann weiß, dass Südafrika ein Zeichen für die Welt setzen muss, und dass Sport das richtige Symbol sein kann. Also hält er das aus Weißen und nur einem Schwarzen bestehende Rugby-Team, die Springboks, an, den World Cup für Südafrika zu gewinnen.

Wie dieser Sieg, der für Südafrika ähnliche Bedeutung hatte wie für Deutschland die Weltmeisterschaft 1954 in Bern, zustande kam, erzählt Eastwood linear, ohne Rückblenden und ganz auf diese Episode konzentriert. Selbst wer von Rugby nicht viel versteht, kann sich der Dramatik der letzten 18 Minuten, in denen das Spiel „in voller Länge“ abläuft, nicht entziehen. Bis dahin hat ein ebenso grandios wie Freeman spielender Matt Damon als Trainer das Team mit eisernem Willen von einer Loser-Truppe zu einer Mannschaft geformt.

Der Titel „Invictus“ (Unbezwingbar) bezieht sich auf die letzten zwei Zeilen eines Gedichts, in dem der Mensch als Herr seines Schicksals gefeiert wird, so wie Eastwood Südafrika im Jahr der WM huldigt. Gedreht wurde an Ort und Stelle, für das Spiel wurden 2000 Zuschauer engagiert, die zu 62 000 Stadionbesuchern gepixelt wurden. Geht doch. Eastwood beweist mal wieder, was für ein effektiver Regisseur er ist. „Gran Torino“ war noch lange kein Abschied.

Startseite