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Im Kloster-Forst Gravenhorst wachsen die Bäume nicht in den Himmel

„Ist halt ein Wald“

wn

Hörstel - Im Schatten der lästig-lauten A 30, die den Gravenhorster Klosterwald zerschneidet wie ein Tuch und jedes Flora-Fauna-Geräusch erstickt, räumt Forstamtmann Markus Weber schmunzelnd mit ei­nem frommen Gedanken auf. „Auch in einem Klosterwald wächst nichts in den Himmel“, sagt er. Klosterwälder sind oder besser gesagt waren grüne Wirtschaftsräume, die sich kaum von de­nen anderer Besitzer un­ter­schieden.

140 Hektar misst der Forst bei Hörstel heute. Vor rund 800 Jahren wurde er dem adeligen Stift zuge­schla­­gen, später übernahmen die Zisterzienserinnen Kloster und Wald; beides blieb bis zur Säkularisation in ihrem Besitz. Danach wanderte er durch etliche Hände. Und ei­ne jede drückte ihm einen eigenen Stempel auf. Seit drei Jahren gehört der alte Forst Constantin Freiherr Heereman, der seither versucht, den Wald in etwas zurückzuversetzen, das Dani­el Herder seinen „ökologischen Urzustand“ nennt, und letztlich meint, ihn kon­trolliert sich selbst zu überlassen.

„Wir holen die Nadelbäume raus und die Fremdhölzer“, sagt Herder, Forstwirt bei der Heeremanschen Forstverwaltung. Douglasien zum Beispiel, Weymouthskiefern oder Küstentannen - Relikte aus einer Zeit, als der Wald auch als Baumschule genutzt wurde. Buchen kämen stattdessen wieder hinein, die gehörten schließlich dorthin, Buchen und natürlich Ei­chen. Zudem würden auch die alten Gräben geschlossen, die die Ahnen einst quer durch den Forst gruben, um ihn zu entwässern. „Wir wollen die ursprüngliche Vernässung wieder herstellen“, sagt der Experte.

All das geht nicht von heute auf morgen, so etwas dauert nicht nur Jahre, sondern Generationen, weil der Wald keine Eile kennt . . . Am Ende aber, davon ist Herder überzeugt, wird der große Forst fast wieder so aussehen, wie ihn die Kloster-Gründer anno dazumal vorfanden - von der störenden Autobahn einmal abgesehen.

Quellen zum Kloster gibt es einige, solche zum klösterlichen Wald sind hinge­gen spärlich gesät. Dafür war er damals viel zu sehr Beiwerk, wichtig wohl als Wirtschaftsraum, darüber hinaus kaum beachtet. Einer, der sich mit der Gegend, ihrer Geschichte und eben auch der der Wälder dort oben im nördlichen Münsterland auskennt, ist Dr. Klaus Offenberg, vormals bei der Landesforstverwaltung beschäftigt, heute pensioniert.

„Was wir wissen, ist, dass auch die Zisterzienserinnen ihren Wald gepflegt haben“, sagt er. In den Klostergemeinschaften allgemein habe schon früh so etwas wie ein Nachhaltigkeitsgedanke eingesetzt. Derart, dass in ihren Wäldern nur so viel Bäume geschlagen werden durften, wie nachwuchsen. Das war damals durchaus revolutionär. Ansonsten hätten die Bäume, wie damals üblich, weit auseinandergestanden, „damit die Schweine hineingetrieben werden und sich an den Bucheckern und Ei­cheln sattfressen konnten“. Diese Art Waldwiese, die Nutzung des Forstes vor allem fürs liebe Vieh, sei damals dessen Hauptzweck gewesen. Darüber hinaus wurden die Stämme als Baumaterial genutzt, an kalten Tagen wanderte das Unterholz in den Kamin.

Dass der Wald einst zu ei­nem Kloster gehörte, darauf weist heute kaum noch etwas hin. „Ist halt ein Wald“, sagt Weber. Versteckt unter Bäumen findet sich nur noch ein bachgespeistes Sammelbecken, das die Anlage einst mit Frischwasser versorgte.

In seinen Ur-Zustand versetzt wird er von Baron Heereman übrigens nicht nur aus Naturverbundenheit: Damit lassen sich Bodenpunkte erzielen, die für Ausgleichsmaßnahmen verkauft werden können . . .

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