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Sommerkrimi

„Ja, ich war die Hand des Herrn“

Das war wohl nichts.“ Blösing und Frühling sind erschüttert. Der Schnellvergleich der Fingerabdrücke hat eindeutig ergeben, dass Goldhamster die Tatwaffe nicht in der Hand gehabt hat. Mit Worten des tiefsten Bedauerns und Entschuldigungen müssen sie...

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Das war wohl nichts.“ Blösing und Frühling sind erschüttert. Der Schnellvergleich der Fingerabdrücke hat eindeutig ergeben, dass Goldhamster die Tatwaffe nicht in der Hand gehabt hat. Mit Worten des tiefsten Bedauerns und Entschuldigungen müssen sie den Stadtwerke-Chef gehen lassen. „Wenigstens ist auch der Weinschenk weg“, sagt Blösing. „Der ist ja genauso schlimm wie Weiße war mit seinen ewigen Paragrafen. Manni, was machen wir denn jetzt. Ich weiß echt nicht mehr, wen wir noch verdächtigen sollen.“ – „Ich auch nicht. Aber ich bin jetzt richtig in Stimmung, um mir noch jemand vorzuknöpfen. Komm wir fahren nach Münster und vernehmen die Petrus. Ganz egal ob sie in der Gummizelle sitzt. Und egal ob sie mit dem Weiße-Mord was zu tun hat oder nicht.“

Das Verhör gestaltet sich schwierig. Immer wieder weicht Petrus aus, zitiert alttestamentarische und akopalyptische Bibelverse voller böser Prophezeiungen. Zunächst streitet sie ab, den Mitgliedern ihrer Bibelgruppe den Befehl zu Brandstiftungen gegeben zu haben. Doch dann bricht es aus ihr heraus: „Ja, ich war die Hand des Herrn. ER hat aus dem brennenden Dornbusch auch zu mir gesprochen und mir den Befehl gegeben, das Sündenbabel Rockmuseum zu zerstören wie ER es getan hat mit den Mauern von Jericho. Ich selbst habe den Brand gelegt. Und habe das Bekennerschreiben verfasst. Und ,Rache für Erich‘ habe ich nur darauf geschrieben, um euch zu verwirren.“ Sie bricht in ein irres Kichern aus. „Hihihi. ,Rache für Erich!!‘ Und ihr seid auch darauf hereingefallen.“ Danach verfällt sie wieder in tiefes Schweigen.

Die beiden Kommissare verlassen das Vernehmungszimmer. „Na, das reicht wenigstens, um sie wegen Brandstiftung hinter Gitter zu bringen. Oder zumindest in die Klapse. Und Frau De Tamme dürfte damit die Belohnung der Versicherung zustehen. Sie hat uns schließlich den entscheidenden Tipp gegeben.“ Als er durch das Tor aus der Anstalt herausfährt, blickt sich Frühling um und schaut zu den vergitterten Fenstern hoch. Diesmal blickt ihm niemand nach.

Auf der Rückfahrt nach Gronau – Frühling lässt Blösing ans Steuer („Aber nur, wenn du gaanz vorsichtig fährst.“) – ziehen die beiden Kommissare Bilanz. „Wir stehen wieder völlig am Anfang. Die Verbindung mit dem ,Kommando Brennender Dornbusch‘ war ein Schlag ins Wasser. Alle Verdächtigen haben wir von unserer Liste streichen müssen.“ Blösing zählt sie noch mal alle auf: „Talhaus von pepro war’s nicht. Windhöft nicht. Goldhamster auch nicht. Nicht mal du warst der Mörder, obwohl du ein astreiner Verdächtiger warst. Wirklich Eins A.“ – „Vielen Dank für die Blumen“, meint Frühling. „Wer aber war’s? Wir haben offensichtlich irgendetwas übersehen. Diese angebliche Erfindung von Weiße ist, glaube ich, nicht das Motiv. Und Rache für irgendwelche Schandtaten in grauer Vorzeit ? Alles olle Kamellen. Ich denke, wir müssen in einer ganz anderen Richtung suchen. Hatte Weiße vielleicht irgendwelche Frauengeschichten?“ – „Hmm, glaube ich nicht“, entgegnet Blösing. „Guck mal: Er hatte die Politik, er hatte seine Paragrafensammlung, er hatte seine Basteleien im Schuppen, er hatte seine Geraldine und die Kinder. Außerdem hat er seine Zigaretten immer selbst gedreht – da blieb nicht viel Zeit für Frauengeschichten.“

„Hatte denn vielleicht doch irgendeiner unserer Ratskollegen ein Motiv und die Möglichkeit, Weiße zu erschlagen? Vielleicht einer aus unserer eigenen Fraktion? Einer von den Eperanern vielleicht. Du weißt doch selber, wie die manchmal drauf sind: Zu viel Worte mögen die nicht.“ – „Ach Blödsinn“, sagt Blösing. Doch Frühling gibt nicht auf: „Dann einer von der Verwaltung? Die mussten schließlich auch immer so lange bei den Sitzungen bleiben.“ – „Manni, ich vertraue meiner Nase. Und die sagt mir: Von denen war es keiner. Die langen Sitzungen waren nervig, aber sie sind kein Motiv für einen Mord. Wie du schon gesagt hast: Wir müssen in einer ganz anderen Richtung ermitteln.“ – „Aber, aber“, Frühling wird ganz aufgeregt: „Vielleicht war‘s beides: Frauengeschichten und Politik: Haben wir der Petra Rood eigentlich mal auf die Finger geklopft? Die war schließlich noch vor mir am Tatort. Vielleicht hat sie ja Weiße gemeuchelt. Aus welchem Grund auch immer. Und dann, als sie merkte, dass ich kam, hat sie die Ohnmacht nur vorgetäuscht. Ja, so kann es gewesen sein.“ – „Ach, Manni. Weiße und Rood waren doch ein Herz und eine Seele, oder? Weißt du nicht, wie Willy Holterdipolter die immer genannt hat? Schnee-Weiße und Rosen-Rood. Ich glaube, das Herumspekulieren hat überhaupt keinen Zweck. Ich bin müde, du auch. Ich setz dich zu Hause ab, und morgen treffen wir uns auf de Wache.“

In diesem Moment klingelt bei den Wiesels das Telefon. „Klaus! Für dich!“, ruft Mechthild. „Andrea Strauch ist dran.“ Die klingt ganz besorgt: „Du musst kommen, Klaus. Stefan ist völlig am Boden. Nicht mal mehr Bratwurst hilft, und die Musik von Kim Wolde auch nicht. Und außerdem behauptet er, er kenne jemanden der wisse, wer Weiße umgebracht hat.“

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