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Jacksons Trauerfeier wird Medienereignis des Jahres

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Los Angeles - Die Trauerfeier für Michael Jackson - sie war das Medien-Ereignis des Jahres. Gleich fünf große US-Sender - darunter auch CNN - übertrugen den Mega-Event live aus dem Staples Center in Los Angeles, nachdem in den Tagen nach dem Tod des Weltstars die Einschaltquoten der wichtigsten Nachrichtenkanäle in die Höhe geschnellt waren.

Doch nicht jeder hält diesen enormen Aufwand für gerechtfertigt - wie zum Beispiel der New Yorker Kongressabgeordnete Peter King. Der Republikaner meldete sich mit einem Video auf "youtube" zu Wort - und kritisierte den Umgang der Medien mit dem Thema. "Dieser Kerl war ein Perverser. Er war ein Kinderschänder. Er war ein Pädophiler. Was sagt es über unser Land, wenn die Medien ihm soviel Platz einräumen?" In den Stunden vor der Beisetzung Jacksons sorgte diese scharfe Verbalattacke für heftige Reaktionen im Freundes- und Familienkreis des "King of Pop".

"Peter King fehlt jeglicher Respekt vor unserer Justiz", konterte der farbige Bürgerrechtler Al Sharpton und verwies darauf, dass Jackson von einem Geschworenen-Gericht von allen Vorwürfen freigesprochen worden war. Der Abgeordnete wiederum konterte, dass der Angeklagte eingeräumt habe, mehrfach mit Minderjährigen in einem Bett gelegen zu haben. "Wer hätte denn sein Kind bei ihm schlafen lassen?" fragt King.

Die Frage, ob die Medien in den USA dem Tod Jacksons zuviel Platz eingeräumt haben, wurde jetzt durch eine Umfrage der Pew-Meinungsforscher beantwortet: Zwei von drei Amerikanern halten den Umfang der Berichterstattung für übertrieben. Dabei gibt es eine deutliche Kluft in der Bevölkerung: 80 Prozent der befragten Farbigen gaben an, an dem Thema extrem interessiert zu sein - während nur 22 Prozent der Weißen ähnlich denken.

Don Lemon, einer der Hauptmoderatoren für CNN, will Kritik am Umfang der Berichterstattung nicht gelten lassen: "Jackson war ein zufälliger Kultur-Pionier, der Barrieren in vielen Bereichen wie der Musik und in Filmen niedergerissen hat." Doch auch hier gibt es Widerspruch. "TV-Produzenten und Zeitungsmacher unterminieren den Wert seriöser Nachrichten, wenn sie ihre Berichterstattung an der Popularität eines Thema im Internet ausrichten," sagt US-Medienkritiker Tim Rutten mit Blick auf das "rücksichtslos exzentrische Leben" von Michael Jackson.

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