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Lokales

Joaquín Turina: Ohne jedes Klischee – „Olé!“

Arndt Zinkant

Münster - Was könnte ehrenvoller sein, als vernachlässigte Perlen der Musikgeschichte aus der Schatulle zu holen, um sie so glänzend zu polieren, wie sie’s verdienen? Das münstersche Turina-Quartett hat sich seit seiner Gründung 1984 dieser schönen Aufgabe verschrieben – beim Rathauskonzert am Donnerstag war einmal mehr sein Namenspatron an der Reihe: Joaquín Turina.

Turina – neben de Falla der zweite große Spanier – vielmehr Andalusier. Seine zeigt Musik große Klang- und Stilsicherheit, die sich liebevoll mit der heimischen Volksmusik verbindet. So auch in der andalusisch eingefärbten griechischen Mythen-Vertonung „Las Musas de Andalucía“, die die Musiker sich fürs Finale aufsparten. Fein ausgehört und feurig genug, um die Begeisterung des Publikums zu entfachen.

Wie jeder Künstler wäre auch Joaquín Turina ohne gelegentliche Musen-Küsse aufgeschmissen gewesen – und er revanchierte sich bei den Töchtern des Zeus auf seine Weise. Jede der Neun bekam ihr Charakter-Stückchen: graziös, schwärmerisch und beschienen von andalusischer Sonne. Ein galanter Caballero, dieser Turina! Die Instrumentierung wechselt in jedem Stück, nur das Klavier kommt drei Mal zum Zuge und formt unter Noriko Kitanos Händen packende spanische Rhythmen (wie’s Terpsichore, der Muse des Tanzes, gebührt), fugierte Passagen und auch etwas Debussy-Parfüm. Die Pianistin gesellt sich bei den anderen Stücken hin und wieder zu den Streichern.

Erato ist die Muse für Poesie und Gesang, und es ist an Ines Krome, ihr Stimme zu verleihen. Das tut sie teils empfindsam, teils recht forciert für den Rathaussaal. Die Turinas spüren bei „Thalia“ hübsch Gitarrenklängen nach und stürzen sich ohne jedes Klischee von „Olé!“ ins Finale.

Zuvor hatte bei Spohr und Beethoven Gediegenheit das Feld beherrscht, dabei hätte ein Funke andalusisches Feuer auch hier nicht geschadet. Indes, die technischen Klippen des ersten Rasumowsky-Quartetts sind tückisch genug, und die Turinas umschiffen sie souverän. Vor allem das Adagio hat Würde und Pathos; hier streut Primgeigerin Midori Goto betörende kleine Seufzer-Phrasen, setzt jedoch in den Allegri mehr auf Geschlossenheit als mächtiges Brio. Adrian Kowollik, Volker Hendrichs und Michael Schlechtriem ziehen nahtlos mit. Kowolliks zweite Violine klingt forscher – das merkte man vor allem bei Louis Spohrs Violinduett op. 67 Nr.1, dessen Darbietung der gestrenge Violinlehrer Spohr gleichwohl keine Eins gegeben hätte.

Aber der komponierte ja auch nicht unter andalusischer Sonne . . .

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