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Bond-Persiflage mit Rowan Atkinson

„Johnny English - Jetzt erst recht“: Mit rasendem Rollstuhl

Hans Gerhold

Acht Jahre hat sich Rowan Atkinson für die Fortsetzung der Persiflage „Johnny English“ genommen. Die Fortsetzung „Johnny English - Jetzt erst recht“ ist wieder auf den Star-Komiker zugeschnitten, der dann am Besten ist, wenn er als trotteliger und höchst naiver Geheimagent Solonummern durchzieht und ohne Dialoge seine durch „Mr. Bean“ bekannte unnachahmliche Gummi-Mimik spielen lässt. Die Kombination „Mr. Bean Meets Bond“ geht mehr als im ersten Teil auf, weil die Macher ihren James Bond 007 gut studiert haben und sich, allerdings mit einigen Durchhängern, bis ins Detail an Motive der erfolgreichen Agentenserie halten. Regisseur Oliver Parker („Othello“), nicht unbedingt Garant für Unterhaltung, in der Slapstick und Klamauk regieren, hat die „lärmigen“ Szenen recht gut im Griff. Wegen eines Debakels in Mosambik entlassen, wird English nach Jahren in einem tibetischen Kloster, die Körper (besonders an den Weichteilen) und Geist (?) stählten, zum MI 7 zurückgeholt. Der Geheimdienst ist inzwischen in der Hand von Toshiba und einer Werbeagentur („Wir spionieren. . . für Sie“) ähnlicher als einer effektiven Behörde. English soll ein Attentat auf den chinesischen Premier verhindern, stößt auf Profi-killer, die seinen Einsatz in Afrika torpedierten, und entlarvt „Maulwürfe“ und „Mehlwürmer“ in den eigenen Reihen. Soweit das Handlungsgerüst, das auf bewährte aber auch allzu bekannte Gags setzt. Eine Verfolgungsjagd durch Hongkong funktioniert, weil sie stoisch inszeniert ist, bestens, während die Jagd im rasenden Rollstuhl verpufft. Statt des Aston Martin fährt English einen Rolls Royce, der aufs Wort gehorcht, die Szenen mit dem Golfschläger finden vor dem Clubhaus aus „Goldfinger“ statt. Wie im Vorgänger prügelt English Autoritäten windelweich. Rosamund Pike (Bond-Girl aus „Stirb an einem anderen Tag“) ist Verhaltenspsychologin, Gillian Anderson ihre staubtrockene Chefin Pegasus. Mit Daniel Kuluuya hat Atkinson nicht nur wegen des Rollennamens Tucker einen Sidekick, der das Gespann Jackie Chan/Chris Tucker aus „Rush Hour“ erinnert. Solide und was für Fans von Bean und Bond.

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