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Schützenfeste in Münster

Josef Freises zweiter Königstitel

Marion Fenner

Münster-Nienberge - Spannender als dieses Mal ist wohl noch kein Königsschießen der St.-Augustinus-Bruderschaft verlaufen. Der Vogel war bereits von Treffen gespalten und hing nur noch am sprichwörtlichen seidenen Faden. Jeder, der jetzt zum Schießstand kam, konnte König werden. Eine Handvoll Kandidaten wollte den Titel.

Die Schützen trafen auch, immer wieder fielen Holzsplitter nach unten, der gesamte Vogel aber nicht. Die Musiker vom Musikzug Nienberge hatten aufgehört zu spielen, denn auch sie wollten den Wettkampf verfolgen, so wie alle Gäste im Schützenbusch gebannt auf den Vogel schauten.

Jeder, der geschossen hatte, ging davon aus, dass nun der nächste Schütze Sieger sein würde. Aber der Vogel blieb standhaft, und es gab mehrere Durchgänge aller Anwärter.

Josef Freise war es schließlich, der mit dem 857. Schuss als neue Majestät gefeiert werden durfte. Unter den Anwärtern auf den Titel war unter anderem Dirk Winter, der als erster homosexueller Schützenkönig der Bruderschaft St. Wilhelmi aus Kinderhaus zurzeit bundesweit Schlagzeilen macht. „Bei uns hätte er auch regieren dürfen“, war aus den Reihen der Schützen zu erfahren.

Nun aber ist Josef Freise an der Reihe. „Ein würdiger Nachfolger“, befand der noch amtierende König Manfred Wilhelmer. Freise, dessen Bruder Willi Ehrenvorsitzender der Bruderschaft ist, war 1990 schon einmal der Regent der Hägeraner Schützen. „Damals war er ein Revolutionär“, verriet Wilhelmer. In der Bruderschaft sei es nicht üblich gewesen, dass jemand seine eigene Frau zur Königin nehme. „Josef Freise hat die Tradition gebrochen und es damals trotzdem getan - aus Liebe.“

Freises Frau verstarb vor einigen Jahren. Deshalb wählte er diesmal Irmgard Große Dahlmann zur Königin. Deren Mann Reinhold gehörte ebenso zu den ambitionierten Königsanwärtern und hatte selbst mehrfach auf den völlig lädierten Vogel gezielt. Irmgard Große Dahlmann wurde telefonisch benachrichtigt, denn während ihr Mann Schützenfest feierte, versorgte sie auf dem Hof die Tiere. Dafür darf sie nun regieren.

Die Insignien des Königsvogels trafen Harald Oeder (Apfel), Gregor Große Dahlmann (Zepter), Mathias Oskamp (rechter Flügel) und Dieter Heitkötter (linker Flügel).

Bereits am Freitag hatte die Bruderschaft ihren Jungschützenkönig ermittelt. Dieser Titel ging an Philipp Häger. Neuer Pullenkönig wurde Oberst Jörg Kortendick. Fortgesetzt wird das Schützenfest am Samstag (27. August) auf dem Hof des Vorsitzenden, Ludger Häger.

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