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Skaters Palace

Juli in Münster: Alles so düster hier!

Münster - Lange nicht gesehen! Die Band Juli hat einige Jahre Pause gemacht - jetzt ist sie wieder auf Tour. Am Mittwochabend spielten Sängerin Eva Briegel und ihre Mitstreiter im münsterischen Skaters Palace. Die Hits aus der schon etwas länger vergangenen Zeit spielten dabei allerdings allenfalls eine Nebenrolle. Bericht folgt.

wn

Münster - Welch ein Auf und Ab! 2005 spielte Juli im ausverkauften Jovel. 2007 kamen mehr als 3000 Fans in die Halle Münsterland. 2011 bleibt das Skaters Palace halb leer. Aber das muss ja nichts Schlimmes sein. Hat Juli sich nach dem Hype gesund geschrumpft? Am Mittwoch spielte die Gießener Band nach langer Pause wieder in Münster. 2004 spülte die eigene „Perfekte Welle“ die Band Juli an die Chartspitze. Zwei Alben lang schwappten Eva Briegel und ihre Mitstreiter – oft im Fahrwasser der zunächst ähnlich erscheinenden Band Silbermond – durch Teenie-Shows und mittelgroße Konzerthallen, bevor sie sich vorerst von der großen Bühne verabschiedeten. Vor einem halben Jahr meldete sich die Band mit dem Album „In Love“ zurück. Es ist elektronischer als alles zuvor, mitunter kälter, düsterer. Klar, dass sich das am Mittwochabend fortsetzte. Sphärisches blaues Licht hüllt die Bühne, als die Musiker erscheinen. „Immer wenn es dunkel wird“ ist auch das erste Stück des aktuellen Albums. Juli spielt vor sich hin, fast unnahbar und fern. Sängerin Eva Briegel trägt Hosenträger und leuchtend roten Lippenstift. Sie wirkt wie gewohnt launig, vielleicht gelangweilt. An dritter Stelle schon wagen die Gießener den musikalischen Sprung zurück. „Geile Zeit“, früher ein großer Hit. Das Publikum jubelt, Eva Briegel lächelt sogar. Alle singen mit, ein Hauch jener „Geilen Zeit“ weht durch die kleine Halle. Dann prügeln wieder irre laut fette Elektro-Beats übers Publikum hinweg, und über die Leuchtwand hinten auf der Bühne drehen sich grüne Kreise, bis fast alle Zuschauer wahnsinnig sein müssen. In solchen Momenten ist Juli denkbar weit weg von der „Geilen Zeit“. Nach gut einer Stunde der größte Hit: „Die perfekte Welle“. Da wachen alle wieder auf, und die Band wendet sich sichtlich den Fans zu. Sie spielen den Kracher aus, legen ein Instrumental ein, spannen auf die Folter, machen richtiges Rockkonzert-Entertainment. Hände in die Höhe, textsichere Glückseligkeit. Dann ebbt die perfekte Welle wieder ab.

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